Digitalisierung in der Bankenwelt; Komfortzone war gestern – Digitaler Wandel ist heute

Nach Ansicht des Bundesbank-Vorstands Andreas Dombret müssen Banken sich der Herausforderung der Digitalisierung aktiv annehmen. Ein Ausharren oder Aussitzen der Problemfelder reicht nicht. Im Zahlungsverkehr siedeln sich zunehmend FinTech Unternehmen an, die den Banken starke Konkurrenz bieten. Der digitale Wandel verändert gleichermaßen sämtliche Branchen und Wertschöpfungsketten. Die technologischen Herausforderungen steigen stets an, um den höheren Erwartungen der Kunden gerecht zu werden. Außerdem wächst für die etablierten Banken zudem eine neue Konkurrenz durch die FinTechs heran.

Disruptionen rütteln an bewährten Geschäftsmodellen. Disruptives Denken und das Bewusstsein für die einhergehenden Veränderungen sollte der Kern der strategischen Agenda auf den Vorstandsebenen sein. Daher sollten Entscheidungsträger den Mut zeigen, um dem Wegbrechen von Umsätzen vorzubeugen. Geschäftsmodelle, die heute erfolgreich sind, gerade im Transaktionsbereich, werden künftig nicht mehr alleine von Banken übernommen werden.
Die Kunden im Finanzsektor unterscheiden zunehmend zwischen Offline- und Online-Angeboten. Dies bringt viele Banken in Zugzwang, da der Trend eindeutig in Richtung integriertes Leistungsangebot geht. Die Integration sämtlicher Vertriebskanäle in einem konsequenten Omni-Channel-Ansatz ist im Hinblick auf die strategischen Weichenstellungen im Finanzsektor erforderlich.

Welche Schlüsselkompetenzen sind für die Mitarbeiter erforderlich?

Im Spannungsfeld von Regulierung und Innovationen ist die Liste der Aufgaben mit höchster Priorität sehr lang. Dabei sind die richtigen Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor, um die Weichen für den digitalen Erfolg zu stellen. Passende digitale Talente gilt es nicht nur zu finden oder weiterzuentwickeln, sie benötigen auch die erforderlichen Freiheitsgrade, um mit Leidenschaft und Firmen-Identifizierung eine Extrameile zu gehen. Für Unternehmen im Finanzsektor ist es unabdingbar, zu verstehen, dass es nicht nur darum geht, sich technologisches und fachliches Know-how anzueignen, sondern viel mehr, auch eine Unternehmenskultur zu etablieren, die diese Herausforderungen mitträgt und von der Managementebene konsequent vorgelebt wird. Auch ist es erforderlich, dass die Mitarbeiter den notwendigen Freiraum und die Freiheitsgrade erhalten, um ihre Ideen und Innovationen ausleben und umsetzen zu können. Fachkräfte müssen in der Lage sein, ihre Ideen und Konzepte vorzustellen und so zu präsentieren, dass auch andere Bereiche und Abteilungen diese nachvollziehen und ihre Vor- und Nachteile diskutieren und bestenfalls annehmen können.

Die erforderlichen Mitarbeiter, um diesen Wandel mitzutragen
Einige Finanzunternehmen holen sich innovative Freigeister an Bord, um sich den neuen Kundenbedürfnissen zu stellen. Jedoch sollte bedacht werden, dass nicht nur Innovation und Kreativität für eine erfolgreiche Umsetzung digitaler Transformationen im Bankenumfeld erforderlich sind. Gerade in der Finanzwelt gilt es, neben all den offensichtlichen Skills, auch die regulatorischen Anforderungen im Blick zu behalten und nicht alle bestehenden Prozesse und Lösungen vollständig zu verdrängen. Darüber hinaus müssen auch ‚wilde Querdenker‘ einen angemessenen Grad an Anpassungsfähigkeit mitbringen, um sich in der Bankenumgebung wohl zu fühlen. Disruptives Denken ist ein wichtiger Faktor, aber auch kulturelle Rahmenbedingungen haben hier einen hohen Stellenwert. Neben dem hierarchischen Denken, dem erforderlichen Dresscode und der Beachtung der institutsspezifischen Traditionen gilt es, auch mit Kommunikationsfähigkeit viele Bereichsebenen von neuem zu begeistern und zu überzeugen.
Kandidaten im Bankenumfeld sollten die Werte des Unternehmens kennen und die bestehenden Strukturen akzeptieren. Ein zu dominantes oder legeres Auftreten kann in diesem Umfeld als Selbstüberschätzung gedeutet werden oder gar zu Missstimmungen führen.
Für die Führungsebene ist es vor allen Dingen wichtig zu beachten, dass die digitale Transformation eine grundlegende Veränderung in der Zusammenarbeit bedeutet, sowie einen Wandel in der Führung und die Entwicklung neuer Rollen und Aufgabenbereiche. Transparenz, Kommunikation und der Wille zur Veränderung sind wichtige Faktoren, um nicht neben den Mitarbeitern her zu transformieren. Denn den entscheidenden Unterschied in Unternehmen aller Branchen machen digital agierende Mitarbeiter – und damit sind sie der Schlüssel zum Erfolg.

Womit können Finanzinstitute gegenüber den FinTechs punkten, um als Arbeitgeber attraktiver zu sein und zu bleiben?
FinTech-Unternehmen haben ihren Fokus im Bereich der Finanzdienstleistungen und bieten keine vollkommen neuen Produkte und Dienstleistungen an, sondern grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen vor allen Dingen dadurch ab, dass sie ihre Angebote und Dienstleistungen mit einer spürbar höheren Kundenorientierung anbieten. Deutsche Bank, Commerzbank, HVB & Co. und einige weiteren namhafte Institute nutzen FinTechs, um ihre Digitalisierung voranzutreiben. Jedoch sind die FinTechs auch Mitbewerber im Kampf um den passenden Kandidaten, dem es sich zu stellen gilt.
Finanzinstitute können bei Bewerbern häufig mit ihrer Unternehmensmarke sowie Unternehmensgröße punkten. Für viele Kandidaten ist auch eine solide Kundenbasis des Unternehmens sowie ein vorzeigbares Employer Branding Beweggrund, um sich dort zu binden. Besonders Kandidaten, die Wert auf Sicherheit und Stabilität legen, zieht es eher zu einem großen Unternehmen im Bankenumfeld, als zu einem FinTech Start-up, das vielleicht morgen schon wieder vom Markt verdrängt ist.
Jedoch empfiehlt es sich, dass die Vorstände sowie Personalabteilungen der Finanzunternehmen bei der Konzeption und Planung von Digitalisierungsstrategien und Projekten auch ihre Unternehmenskultur als Arbeitgeber hinterfragen. Nicht ein Employer-Branding-Projekt oder Maßnahme wie, „Wir-nehmen-nun-die-Krawatten-ab“, sondern eine kulturelle Umstellung, wie beispielsweise flexible Arbeitszeitgestaltung, Home-Office-Regelungen, freier Internetzugang am Arbeitsplatz und vielen Rahmenbedingungen mehr, gilt es ebenfalls zu transformieren.

Fazit: Die Finanzinstitute müssen von der Produktsicht zur Kundensicht wechseln, denn Digitalisierung bedeutet nicht nur, eine App oder Facebook Seite einzurichten. Für die erfolgreiche digitale Umsetzung ist es neben der richtigen Strategie auch notwendig, die geeigneten Mitarbeiter an Bord zu haben. Nicht nur passende Schlüsselkompetenzen der Mitarbeiter sind erforderlich, auch die unternehmerischen Rahmenbedingungen müssen passen, um den Weg zum Erfolg zu ebnen.

Quelle: Henning Sander, Leiter der Business Unit Banking, Executive Search, Hager Unternehmensberatung

Jeder zehnte Österreicher will nächstes Jahr seine Bank wechseln

  • Kunden wünschen sich längere Öffnungszeiten und persönliche Ansprache
  • Bankexperte: „Geldinstitute gehen noch zu wenig auf ihre Kunden zu“

In Österreich ist die Wechselbereitschaft bei vielen Bankkunden groß. Jeder Zehnte wird wahrscheinlich im nächsten Jahr das Konto bei seiner Bank kündigen und zu einem anderen Geldinstitut wechseln. Das ergab die „Kundenbankstudie Österreich 2017“ der Unternehmensberatung EUROGROUP CONSULTING (EGC), für die mehr als 2.100 Bankkunden befragt wurden. Demnach finden viele Kunden den Service ihres Kreditinstituts verbesserungsbedürftig: Sie erwarten längere Öffnungszeiten, persönliche Ansprache und mehr Übersichtlichkeit bei den angebotenen Bankprodukten.

Dass es eine rege Nachfrage nach Bankprodukten gibt, zeigt die Studie ebenfalls: Knapp elf Prozent der Kunden würden gerne in Wertpapiere oder Fonds zu investieren, wurden aber noch nicht angesprochen. Noch größer ist die Nachfrage nach Finanzierungen: 41Prozent wollen in den kommenden drei Jahren einen Konsumkredit aufnehmen, etwa jeder Fünfte (rund 21 Prozent) plant, eine Immobilienfinanzierung abzuschließen. „Das Potential für Neugeschäft ist groß, aber die Geldinstitute gehen noch zu wenig auf ihre Kunden zu“, sagt der Geschäftsführer von EGC Österreich, Heinrich Piermeier.

Interesse an Wertpapieren und Fonds deutlich gewachsen

Insbesondere das große Interesse an Wertpapieren und Fonds ist in der Befragung sehr ausgeprägt, denn aktuell ist der Anteil der Wertpapierbesitzer mit nur zehn Prozent der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Ländern des Euroraumes sehr klein. „Es zeigt, dass die Menschen in Österreich nach neuen Anlagemöglichkeiten Ausschau halten“, sagt Piermeier. Auffällig sei, dass diese Interessenten von ihrer Bank aber noch nie Angebote zu Anlagemöglichkeiten bekommen hätten. Defizite zeigen sich laut Studie insbesondere in den Großstädten Wien und Salzburg, sowie in der Region Tirol. „Österreichs Banken sollten den Trend aufgreifen und jetzt die Chance nutzen, Kunden mit attraktiven Angeboten zu gewinnen oder zu halten“, betont Piermeier.

Laut der Studie sind viele Bürger derzeit mit dem Service ihrer Bank nicht ganz zufrieden. Vor allem fällt es ihnen schwer, sich bei den angebotenen Bankprodukten einen Durchblick zu verschaffen – hier wünschen sich die Kunden mehr Transparenz. Bei Vertragsabschlüssen bemängeln sie zu viel Bürokratie in den Vertragsunterlagen, die die Geschäftsabwicklung behindern. „Nur wenige Banken sehen aktuelle Regulierungen als Vertriebs- und Veränderungschance; hier braucht man bloß auf die Einfachheit der Fintechs schauen, was möglich ist“ betonte Piermeier.

Auch junge, digitale Kunden wollen persönliche Beratung

Wichtigstes Instrument bei der Vermittlung von komplexen Bankprodukten bleibt die persönliche Beratung: „Den Weg, den viele Banken mit der Effizienzsteigerung eingeschlagen haben, ist sicherlich richtig. Er schließt aber eine aktive Kundenansprache nicht aus“, so Piermeier. Dafür müsse auch das Angebot an Beratungszeiten ausgeweitet werden. Laut der Studie sind es vor allem junge Frauen und Männer bis 30 Jahren, die sich längere und flexiblere Öffnungszeiten in den Filialen wünschen.

„Gerade bei komplexen Themen wie Aktienkauf und Baufinanzierung wollen die Kunden ausführlich beraten werden“, betont Piermeier. Das gelte auch für diejenigen, die bei allen übrigen Bankgeschäften gerne auf digitale Kanäle zurückgreifen. Der sogenannte persönlich-digitale Kundentyp macht mit aktuell rund 46 Prozent, also knapp die Hälfte aller Bankkunden aus. „Die meisten Kunden nutzen heute selbstverständlich digitale Kommunikationskanäle – auch im Kontakt mit ihrer Bank. Finanzinstitute sollten sich im Klaren sein, dass die persönliche Beratung bei spezifischen Themen nach wie vor gewünscht oder sogar verlangt wird.“

Kundenwünsche sind regional unterschiedlich

Die Kundenwünsche sind auch in den Regionen Österreichs unterschiedlich. Laut der Studie ist das Interesse an Wertpapieranlagen in Wien, Salzburg und Tirol besonders groß. Die Haushalte, die im nächsten Jahr einen Konsumkredit aufnehmen wollen, befinden sich am häufigsten in Oberösterreich, Tirol und Kärnten.

Die meisten Haushalte, die die Anschaffung oder den Bau eines Eigenheims planen, gibt es im Burgenland, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg. In diesen Bundesländern spielt jeder Fünfte mit dem Gedanken, in naher Zukunft eine Immobilie zu erwerben, wofür eine entsprechende Bankfinanzierung benötigt wird. „Natürlich sind die Bedarfe in den einzelnen Regionen unterschiedlich, doch mit der Studie kann auch gezeigt werden, in welchen Gegenden Angebot und Nachfrage gut abgestimmt sind, und in welchen Regionen das weniger der Fall ist“, betonte Piermeier. „Hier können Banken ansetzen, um ihre Vertriebsaktivitäten zu verstärken.“

Fazit der „Kundenbankstudie Österreich 2017“

Wenn die Banken die Zeichen der Zeit erkennen und sich stärker auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden ausrichten sowie die Digitalisierung und das veränderte Kundenverhalten als Chance sehen (Dualer Vertrieb), können nicht nur Bestands- und auch Neukunden begeistert, sondern auch positive Effekte in der Ertragslage erzielt werden.

Über die „Kundenbankstudie Österreich 2017“

Im April 2017 führte EUROGROUP CONSULTING eine Studie zum Thema „Potenziale offensiv nutzen!“ Kundenbankstudie Österreich 2017″ durch. An der Online-Befragung nahmen 2.135 Personen ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Österreich teil. Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur der Daten zu erhalten, erfolgte die Erhebung nach vorgegebenen Quoten über die Merkmale Geschlecht, Alter und Bundesland. Als Referenzdatei wurden die Bevölkerungsdaten der Statistik Austria zugrunde gelegt.

FinTech ist der neue Mainstream – sagt die Finanzindustrie

  • Neun von zehn Finanzdienstleistern haben sich damit abgefunden, Marktanteile an FinTechs zu verlieren
  • Kumuliert sind über die vergangen vier Jahre rund 40 Milliarden Dollar in Finanz-Startups geflossen
  • Statt die Newcomer zu bekämpfen, sucht das Establishment den Schulterschluss
  • 56 Prozent aller Finanzdienstleister wollen das Thema Disruption selbst ins Zentrum ihres Geschäftsmodells stellen

Banken und Versicherer stemmen sich nicht länger gegen die FinTech-Revolution. Laut einer globalen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC räumen inzwischen 88 Prozent aller Finanzdienstleister ein, dass sie Marktanteile an Finanz-Startups verlieren werden. „Doch statt die Newcomer zu bekämpfen, sucht das Establishment lieber den Schulterschluss“, diagnostiziert Sascha Demgensky, Verantwortlicher für das Thema FinTech bei PwC Deutschland. So kooperieren global gesehen mittlerweile 45 Prozent aller Finanzdienstleister mit FinTechs, zeigt die PwC-Umfrage, an der sich mehr als 1300 Branchenmanager weltweit beteiligten. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es gerade einmal 32 Prozent. Noch stärker zeigt sich dieser Trend in Deutschland. Hier kollaborieren schon sieben von zehn Finanzdienstleistern mit FinTechs.

„Banken und Versicherer werden zu Technologieunternehmen“

„Das Verhältnis zwischen Banken und Startups hat sich innerhalb der vergangenen 24 Monate stark weiterentwickelt. Im Grunde ist FinTech der neue Mainstream“, sagt Sascha Demgensky. Allerdings dürfe man diese Entwicklung nicht mit einer Kapitulation der traditionellen Finanzindustrie verwechseln. Im Gegenteil: Der Umfrage zufolge wollen 77 Prozent aller etablierten Player in Zukunft deutlich mehr Gewicht auf Innovationen legen. 56 Prozent geben sogar an, dass Thema Disruption ins Zentrum ihres Geschäftsmodells zu stellen. „Wenn nicht alles täuscht, dann sind viele Finanzdienstleister gerade dabei, sich selbst auch als Technologieunternehmen zu begreifen“, so Sascha Demgensky.

Hohe Investitionen in Blockchain und künstliche Intelligenz

Mit welcher Wucht die FinTech-Welle die Finanzindustrie erfasst hat, zeigen auch andere Zahlen aus der PwC-Studie. So sind über die vergangenen vier Jahre weltweit mehr als 40 Milliarden Dollar in Finanz-Startups geflossen. Dabei lag die durchschnittliche jährliche Steigerung bei 41 Prozent – der Trend zeigt also weiterhin nach oben. Auffällig: In den vergangenen beiden Jahren wurde jeweils rund eine Milliarde Dollar in FinTechs investiert, die sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert haben. Dabei zählten neben Venture-Capital-Fonds auch viele große Finanzkonzerne zu den Geldgebern. 2016 gingen zudem 450 Millionen Dollar an Finanz-Startups, die mit Blockchain-Technologie experimentieren. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einem Plus von 79 Prozent. „All dies deutet darauf hin, dass die digitale Transformation der Finanzbranche gerade erst richtig Fahrt aufgenommen hat“, sagt Sascha Demgensky.

Selbst ein sperriges Thema wie Regulierung wird zur FinTech-Domäne Tatsächlich zeigt die Umfrage, dass die Finanzrevolution längst nicht mehr auf den Payment-Bereich beschränkt ist. So glauben 60 Prozent aller Finanzdienstleister, dass ihre Kunden bei „Personal Finance“-Themen inzwischen regelmäßig auf FinTechs vertrauen. Bei Ratenkrediten sind es 56 Prozent, bei Sparprodukten 49 Prozent und bei Versicherungs- sowie Anlagethemen immerhin schon jeweils 38 Prozent. Ebenfalls bemerkenswert: Selbst die Regulierung, mit der sich viele Finanz-Startups lange Zeit schwertaten, scheint sich zu einer FinTech-Domäne zu entwickeln. Über ihre Innovationsplattform DeNovo beobachtet PwC momentan rund 230 Startups, die sich darauf spezialisiert haben, Finanzdienstleistern bei Regulierungs- und Compliance-Problemen zu unterstützen. Allein in diese sogenannten RegTechs sind in den vergangenen vier Jahren insgesamt satte 1,4 Milliarden Dollar geflossen.

Weitere Informationen sowie die vollständige Studie zum kostenlosen Download finden Sie unter: www.pwc.de/fintech-report

Big Data ist nicht mehr nur ein Thema für Konzerne

Drei von zehn Unternehmen entwickeln dank Datenanalysen neue Geschäftsmodelle
■   Größte Probleme beim Einsatz von Datenanalysen sind unklare Rechtsgrundlagen, Mangel an qualifiziertem Personal und eine fehlende Strategie
■   Studie zu Datenanalysen in Unternehmen von KPMG und Bitkom Research
Die optimale Planung von Transportwegen, die Reduzierung von Retouren oder die Vorhersage von Maschinenausfällen in der Produktion: Big-Data-Analysen können in vielen Branchen die Arbeit effizienter machen und dabei helfen, Kosten zu sparen. Dabei ist Big Data längst nicht mehr alleine ein Thema für Großkonzerne, sondern wird auch für den gehobenen Mittelstand immer interessanter, wie eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG unter 709 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern ergeben hat. Demnach sagen aktuell 62 Prozent der Unternehmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern, dass sie Big-Data-Lösungen einsetzen. Vor einem Jahr waren es gerade einmal 44 Prozent. „Big Data ist längst nicht mehr nur etwas für Big Companies. Entscheidungen im Unternehmen auf Grundlage von Erkenntnissen aus einer großen Menge von Daten zu treffen, wird auch für kleinere Unternehmen immer interessanter“, sagte Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Über alle Unternehmensgrößen hinweg sagt nicht einmal mehr jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent), dass Big-Data-Lösungen kein Thema für das eigene Unternehmen seien (2016: 22 Prozent). Hauptgrund dafür dürfte sein, dass 6 von 10 Unternehmen (59 Prozent), die Big-Data-Lösungen einsetzen, damit mindestens eines ihrer Geschäftsziele erreichen. So geben 41 Prozent an, sie hätten dank Big Data Risiken minimiert, 27 Prozent konnten den Umsatz erhöhen und 19 Prozent Kosten reduzieren. „Die Ergebnisse zeigen, dass Big Data auf die Unternehmensziele einzahlt, es aber kein Selbstläufer ist. Anders als etwa die Automatisierung mit einem Roboter, der sofort Effizienzgewinne liefert, muss Big Data in eine Strategie eingebettet und die gewonnenen Erkenntnisse müssen umgesetzt werden. Das braucht Zeit und den Willen zur Umsetzung durch das Management“, sagte Dr. Thomas Erwin, Global Execution Partner Data & Analytics bei KPMG.

Datenanalyse verändert die Geschäftsmodelle
Big Data, also die Fähigkeit, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen und mit unterschiedlicher Struktur in hoher Geschwindigkeit auszuwerten, ist dabei die Königsdisziplin der Datenanalyse. Datenanalyse umfasst aber deutlich mehr. So lassen sich Erkenntnisse auch auf Grundlage von Daten gewinnen, die vollständig aus dem eigenen IT-System stammen, wie etwa Kundendaten. Insgesamt geben drei Viertel (75 Prozent) der Unternehmen an, relevante Unternehmensentscheidungen auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Analyse von Daten zu treffen. Und 3 von 10 Unternehmen (29 Prozent) sagen sogar, dass sich ihr Geschäftsmodell in den vergangenen zwei Jahren durch die zunehmende Verfügbarkeit von Daten und die Möglichkeit, diese zu analysieren, verändert hat. „Daten sind in vielen Branchen von großer Bedeutung, etwa Verkehrs- und Wetterdaten in der Logistik oder anonymisierte Gesundheitsdaten bei der Bekämpfung von Volkskrankheiten. Unternehmen können dadurch nicht alleine Kosten sparen oder effizienter werden, sie können auch völlig neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und auf den Markt bringen“, sagte Peter Heidkamp, Head of Technology der KPMG.

Komplexe Tools und fortgeschrittene Analysen werden häufiger eingesetzt
Zwar setzen drei von vier Unternehmen (77 Prozent) bei der Auswertung von Daten einfache Tools wie Excel oder Access für ad-hoc Analysen ein, doch vor zwei Jahren waren es sogar 87 Prozent. Dafür ermitteln inzwischen 33 Prozent Zusammenhänge durch die Analyse von strukturierten internen und externen Daten, 2015 lag dieser Anteil noch bei 24 Prozent. Und 17 Prozent setzen heute auf fortgeschrittene Analysen, um aus Daten unterschiedlicher Herkunft und Struktur neue Erkenntnisse zu gewinnen –das entspricht fast einer Verdopplung binnen zwei Jahren (2015: 9 Prozent).

Die Unternehmen nutzen derzeit Datenanalysen vor allem, um ihre Geschäftsentwicklung zu überwachen (40 Prozent), um ihre Kunden besser kennenzulernen (37 Prozent) und um das eigene Personal effizienter einsetzen zu können (33 Prozent). Rund jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) nutzt Datenanalysen darüber hinaus, um Geschäftsrisiken zu identifizieren und zu managen. „In den Bereichen Kunden, Personal und Prozesse sehen die Unternehmen auch das größte Potenzial, um künftig mit Hilfe von Datenanalysen einen Mehrwert für das eigene Unternehmen zu schaffen“, so Pols.

Datenanalysen liefern nicht immer die gewünschten Ergebnisse
Ein Wermutstropfen bleibt: Unternehmen, die Datenanalysen für unterschiedliche Zwecke nutzen, sind mit den Ergebnissen selten völlig zufrieden. Nur rund jedes zweite Unternehmen äußert sich zufrieden über die Erkenntnisse durch Datenanalysen rund um die Personalplanung (55 Prozent), die Analyse von Bestandskunden (50 Prozent) und die Identifikation neuer Kunden (48 Prozent). Immerhin sind aber drei Viertel (76 Prozent) der Unternehmen, die Datenanalysen für die Überwachung der Geschäftsentwicklung nutzen, mit den Ergebnissen „sehr“ oder „eher“ zufrieden.

Woran es bei der Datenanalyse hapert: Strategie, Personal, Rahmenbedingungen
Ursache für die Bewertung dürfte sein, dass es bislang aber noch vielen Unternehmen an einer Strategie bei der Datennutzung fehlt. So hat gerade einmal jedes Achte (12 Prozent) eine zentrale Datenanalyse-Strategie, 59 Prozent haben zumindest in einzelnen Unternehmensbereichen eine solche Strategie. Aber jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) hat bislang gar kein strategisches Vorgehen bei der Datenanalyse entwickelt. Ein Grund dafür könnte in der fehlenden Qualifikation der Mitarbeiter liegen. Gerade einmal jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) gibt an, dass die eigenen Mitarbeiter über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um das Unternehmen kontinuierlich mit Datenanalysen voranzutreiben. Immerhin 42 Prozent investieren aber bereits gezielt in die Aus- und Weiterbildung der Belegschaft im Bereich der Datenanalyse. Dazu kommt: Bei jeweils gut 6 von 10 Unternehmen gibt es Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes (61 Prozent) oder der Datensicherheit (55 Prozent) bei Datenanalysen, sie fühlen sich unsicher, wie gesetzliche Vorschriften zum Umgang mit personenbezogenen Daten eingehalten werden können (59 Prozent), es wird eine fehlende Rechtsgrundlage beklagt (57 Prozent). „Datenanalysen tragen zunehmend zur Wertschöpfung in Unternehmen bei und bieten große Chancen, Daten sind der Schlüssel zur gewinnbringenden Nutzung von Zukunftstechnologien. Wer es schafft, diese Technologien in einer vertrauensvollen Art zu nutzen, wird einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.“, so Erwin. „Angesichts der großen Unsicherheit in den Unternehmen kann es sinnvoll sein, bei der Nutzung von Datenanalysen auch auf externes Know-how zurückzugreifen.“

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Umfrage sind im Studienbericht verfügbar unter www.kpmg.de/mdws.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG durchgeführt hat. Dabei wurden 709 Unternehmen aller Branchen ab 100 Mitarbeitern befragt. Die Interviews wurden mit Geschäftsführern oder Abteilungsleitern aus den Bereichen Beschaffung/Einkauf/Logistik, Produktion/Projektabwicklung, Marketing/Vertrieb oder Finanzen/Steuern/Controlling geführt. Die Umfrage ist repräsentativ für die deutsche Gesamtwirtschaft.

Geldtransfer mit dem Smartphone macht Kleingeld überflüssig

  • Jeder Siebte würde Kleinbeträge von Smartphone zu Smartphone zu übertragen
  • Jeder Dritte hält solche Peer-to-Peer-Systeme für eine Alternative zum Bargeld

Wer im Restaurant die Rechnung mit mehreren Leuten teilen will oder den Großeinkauf der WG, der kennt das Problem: Nie haben alle den auf sie entfallenden Betrag passend und schon beginnt das mühsame Wechseln. Dabei geht das heute viel einfacher: Kleinere Beträge lassen sich problemlos von einem Smartphone zum anderen transferieren. Verschiedene Anbieter bieten solche sogenannten Peer-to-Peer-Bezahllösungen an, bei denen der fällige Betrag auf den Cent genau einfach vom eigenen Konto abgebucht wird, ohne dass auch nur eine Münze den Besitzer wechselt. Jeder siebte Bundesbürger (15 Prozent) kann sich vorstellen, einen solchen digitalen Geldboten (z.B. Cringle oder paypal.me) zu nutzen oder hat dies schon einmal getan. 9 Prozent haben sich dazu noch keine Meinung gebildet. Jeder Fünfte (21 Prozent) glaubt, dass er auf einen solchen Dienst eher nicht zurückgreifen wird, mehr als jeder Zweite (56 Prozent) sagt aktuell, er würde ihn auf keinen Fall nutzen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1.009 Bundesbürgern ab 14 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Das Hantieren mit Kleingeld ist lästig und darüber hinaus auch sehr teuer – in Italien werden aus diesem Grund die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Finanzbranche setzt schon heute stark auf digitale Innovationen. Die Finanzbranche ist Vorreiter in der Kooperation mit Start-ups. Gleichzeitig gibt es im Finanzsektor besonders viele innovative Gründungen, die traditionelle Geschäftsmodelle mit digitalen Alternativen ersetzen wollen.“

Schon heute sieht fast jeder dritte Deutsche deutliche Vorteile darin, Geld bargeldlos per Smartphone zu transferieren. So sagen 31 Prozent, dass digitale Geldboten eine Alternative zu Bargeld sein können. Für 38 Prozent erleichtern sie den Austausch von Kleinbeträgen mit Familie, Freunden oder Kollegen. Rohleder: „Geldmünzen waren in der Geschichte ein technologischer Fortschritt zur Tauschwirtschaft. Auf kurz oder lang wird das Bezahlen mit dem Smartphone oder anderen digitalen Mitteln das Bargeld weitgehend aus unserem Alltag verdrängen.“

Künftig dürften noch mehr Bundesbürger mit dem Smartphone nicht nur Kurznachrichten an Freunde schicken, sondern genauso schnell und bequem auch Bargeld. Denn bislang sind 8 von 10 Befragten (80 Prozent) die Anbieter solcher Peer-to-Peer-Bezahllösungen noch unbekannt. Und 6 von 10 (59 Prozent) geben an, dass Ihnen das Vertrauen in die Sicherheit der Anwendung fehlt. „Vertrauen und Sicherheit sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass sich solche digitale Geldboten in der Breite durchsetzen. Gerade für deutsche Anbieter, die Sicherheit nicht nur als lästige Pflicht ansehen, sondern ein Höchstmaß an Sicherheit als Kern des Produktes verankern, ist das eine Chance“, sagt Rohleder. „Die Bekanntheit dieser Peer-to-Peer-Lösungen wird in den kommenden Monaten und Jahren steigen.“

Die Digitalisierung der Banken- und Finanzbranche ist das Thema der heutigen „Digital Banking Conference“ des Bitkom in Berlin. Dabei geht es nicht nur um Lösungen zum privaten Geldtransfer mit dem Smartphone, sondern um die Veränderungen der Branche durch Mobile Banking und Mobile Payment, Blockchain Technologien, die europäische Harmonisierung mit Blick auf digitale Geschäftsmodelle sowie die Frage, welche Rolle FinTech-Start-ups künftig spielen und wie die etablierten Banken von der digitalen Transformation profitieren können.

Alle Informationen zur „Digital Banking Conference“ online unter banking-conference.de/

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.009 Personen ab 14 Jahren befragt.

Warum Banken ihr De-Risking forcieren. Und warum sie das nicht sollten. (Infografik)

De-Risking in großem Stil ist in Banken Realität: Die Institute spüren den Druck, sich wegen der strengeren Durchsetzung regulatorischer Vorschriften von Risiken zu trennen. Zudem haben sie Sorge vor Verstößen, die viel umfassendere Probleme innerhalb der Institute verursachen würden.

Weil in manchen Fällen das Risiko derart hoch ist, tendieren Banken dazu, den einfachen Weg zu wählen und schlicht keine Geschäfte mit einer bestimmten Personengruppe oder einem Land zu machen. Wie aus der Infografik von LexisNexis® Risk Solutions hervorgeht, sind die Banken besorgt über die möglichen Auswirkungen eines Versagens der Compliance.

Es ist eine natürliche Neigung, sich aus Gebieten zurückzuziehen, in denen die Risiken am höchsten sind. Der Druck, Risiken zu senken, kommt von den Regulierungsbehörden und von Geschäftspartnern. Es ist eine Tatsache, dass es vor dem Hintergrund regulatorischer Prüfungen häufig die leichtere Entscheidung ist, einfach auf Geschäft zu verzichten, statt sich um Compliance zu bemühen. Allerdings kann die Reduzierung von Risiken auch zu unbeabsichtigten Folgen führen. Nur ein Beispiel: Anstatt das Risiko der Geldwäsche zu bekämpfen, kann die Verringerung der Risiken dazu führen, dass Risiken auf kleinere Organisationen mit geringeren Ressourcen für Compliance umgeleitet werden. Wer über die richtigen Daten, Analyseinstrumente und Technologie verfügt, kann diesen Konflikt lösen. Mehr Informationen finden Sie in der beigefügten Infografik.

de-risking-dilemma

Zahlungsverkehr 4.0 – Regulierung und Innovation als Treiber für neue Geschäftsmodelle (Studie und Infografik)

BearingPoint-Studie zu Auswirkungen von Instant Payments, PSD2 und Digitalisierung auf den Zahlungsverkehr

Technologien wie Blockchain, neue Standards bei Instant Payments und erweiterte regulatorische Anforderungen durch die PSD2 wirken auf den Zahlungsverkehr ein. Dies verlangt nach Innovationen, um bei den gestiegenen Kundenansprüchen und dem stärkeren Wettbewerb zu bestehen. Wie der Markt mit diesen Themen aktuell umgeht, zeigen die Ergebnisse einer qualitativen, empirischen Studie der Unternehmensberatung BearingPoint.

Instant Payments – Der neue Standard im Zahlungsverkehr

Sekundenschnelle Geldtransfers können für den Geschäftsabschluss entscheidend sein. Durch Instant Payments sollen diese Zahlungen flächendeckend in Europa standardisiert möglich werden. Mit 59 Prozent plant die Mehrheit der befragten Geldinstitute, ihren Kunden Instant Payments anzubieten. Mehr als jedes fünfte dieser Institute (21 Prozent) möchte mit dem Service noch in 2017 starten. 2018 scheint mit 71 Prozent dieser Zahlungsdienstleister eine breitere Marktdurchdringung erreichbar.

Dabei vertraut die Mehrheit der Zahlungsexperten (53 Prozent) auf die alleinige Durchsetzungskraft des einheitlichen EPC Standards für Instant Payments im Euroraum als neuen Standard. 47 Prozent sehen ein heterogenes Bild mit nationalen Lösungen, die mit dem EPC Standard interoperabel sind.

Ein deutliches Bild zeigt sich auf der Ertragsseite. „Die Zahlungsdienstleister sehen in Instant Payments als neues Zahlungsverkehrsprodukt eine Chance auf eine Verbesserung der derzeit schwierigen Ertragssituation. Laut Studie rechnen 84 Prozent der Teilnehmer mit einer Bepreisung bei Instant Payments. Diese Einschätzung ist für mich ein deutliches Zeichen für eine zu erwartende Kostenverrechnung zwischen Händler und Zahlungsdienstleister“, kommentiert Christian Bruck, Partner bei BearingPoint im Bereich Financial Services mit dem Schwerpunkt Zahlungsverkehr.

PSD2 – Turbo für die Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs

Neue Ertragsquellen in der hoch standardisierten Zahlungsverkehrsabwicklung werden dringend gesucht. Mit den Kontoinformationsdiensten, Zahlungsauslösediensten und Diensten zur Authentifizierung bringt die PSD2 nicht nur zu erfüllende regulatorische Anforderungen, sondern eröffnet auch Chancen für neue Erträge.

57 Prozent erwarten das größte Ertragspotenzial bei Kontoinformationsdiensten. Um diese möglichen Dienste anzubieten, ziehen nahezu zwei Drittel (62 Prozent) der Teilnehmer Kooperationen mit FinTechs in Betracht. Auch das klassische Geschäft scheint durch die PSD2 eine Belebung zu erfahren: Die Hälfe der Teilnehmer (50 Prozent) erwartet weiteres Ertragspotenzial durch Cross Selling von Zahlungsverkehrsprodukten.

Digital Ecosystems – Zahlungsverkehr orchestriert neue Geschäftsmodelle

Die digitale Transformation des Finanzsektors endet nicht bei der Realisierung einiger punktueller Chancen. Vielmehr scheint das aktuelle Momentum auf eine größere Vernetzung, auf die Schaffung eines Digital Ecosystems hin abzuzielen. In solch einem System werden verschiedene Serviceanbieter vereint und das Leistungsspektrum eines einzelnen Anbieters gezielt durch die Services weiterer Anbieter ergänzt. Für die Anbieter eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten für bedarfsgerechte Leistungsangebote für ihre Kunden. Die digitalen Zahlungsverkehrsdienstleistungen verbinden die Services und orchestrieren damit das Digital Ecosystem. Diese noch jungen Entwicklungen zeigen eine neue Dimension von Potenzial auf, das mit einer nachhaltigen Entwicklung eine neue Ära einleiten könnte.

Digital Ecosystems werden auch von 43 Prozent der Studienteilnehmer als zukunftsweisend für den gesamten Bankensektor gesehen. 58 Prozent davon erwarten eine Marktdurchdringung dieser Ökosysteme bis 2020. Knapp über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) identifizieren effizientere Wertschöpfungsketten als Hauptnutzen für Kunden.

„Knapp zwei Drittel der Zahlungsexperten sehen die Banken in einer sehr aktiven Rolle beim Aufbau und Betreiben eines Digital Ecosystems. Gemäß unserer Erfahrung sind neue Wertschöpfungspartnerschaften und strategische Allianzen notwendig, um diese teilweise komplexen digitalen Ökosysteme erfolgreich umsetzen zu können. Es ist zu erwarten, dass dem Zahlungsverkehr als Dirigent der Informations- und Zahlungsauslösedienste innerhalb dieses Digital Ecosystems eine sehr bedeutende Rolle zukommen wird“, fasst Christian Bruck zusammen.

Zahlungsverkehr 4-0

Über die Studie

BearingPoint führte die qualitative Befragung „Zahlungsverkehr 4.0 – Welche Auswirkungen hat das Digitalisierungszeitalter auf den Zahlungsverkehr?“ Ende 2016 unter Zahlungsexperten verschiedener Zahlungsdienstleister in Deutschland und Österreich durch.

Postbank Digitalstudie 2017: Digitalisierung stößt bei Deutschen an Grenzen

  • Bundesbürger betrachten Auswirkungen in Teilen mit Skepsis
  • „Digitalisierung à la carte“ bevorzugt
  • Digitalisierungsgrad in Lebensbereichen mit praktischem Nutzen weiterhin wachsend
  • Deutsche sprechen wieder öfter von Angesicht zu Angesicht mit Familie und Freunden

Die Digitalisierung bleibt weiterhin ein Megatrend und durchdringt nahezu alle Lebensbereiche der Menschen. Eines der Beispiele: Die Deutschen sind durchschnittlich 43 Stunden pro Woche online. Die Jüngeren zwischen 18 und 34 Jahren heben sich dabei eklatant vom Rest der Bevölkerung ab: Mit knapp 55 Stunden sind die Digital Natives noch zwölf Stunden länger im Netz unterwegs, davon knapp die Hälfte der Zeit mit ihrem Smartphone. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung. Denn die Deutschen begleiten die Digitalisierung grundsätzlich auch mit gemischten Gefühlen. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Postbank Studie 2017 „Der digitale Deutsche und das Geld“.

Deutsche sagen öfter „Nein“ zu WhatsApp und Messenger

Einen Großteil ihrer Zeit verbringen die Deutschen mittlerweile online. Bei den unter 35-Jährigen ist es im Schnitt über ein Drittel. Die Folge: eine insgesamt radikale Veränderung der alltäglichen Lebensweise. Von der allgemeinen Informationsbeschaffung, über das Shopping und die Reisebuchung im Netz bis hin zur Kommunikation untereinander: Nahezu alles ist oder wird digital. Smartphone und/oder Tablet sind ständige Begleiter im Alltag der Deutschen geworden und rund 70 Prozent der Bundesbürger nutzen sie, um über sie online zu gehen. In der Generation der 18- bis 34-jährigen Digital Natives ist mit 91 Prozent eine vollständige Durchdringung nahezu erreicht.

Doch nach Jahren einer digitalen Schussfahrt stellen sich erste Sättigungseffekte ein und die Deutschen sagen auch ganz bewusst einmal „Nein“ zu Smartphone, WhatsApp oder Messenger. Knapp 60 Prozent der Befragten geben an, sich schon einmal bewusst gegen ein digitales Angebot entschieden zu haben, so ein Teilergebnis der Postbank Digitalstudie. 44 Prozent haben Angst vor den Folgen der rasanten technologischen Entwicklung und jeder Zweite fühlt sich gestresst durch die ständige Erreichbarkeit im Handy-Zeitalter.

Lieber mal wieder persönlich

Da ist es kaum verwunderlich, dass auch die persönliche Kommunikation wieder an Beliebtheit gewinnt. Zwar gaben 36 Prozent der Deutschen an, mit ihren Freunden häufig oder sehr häufig online – zum Beispiel via Mails, Chats oder Skype – zu kommunizieren, allerdings lag dieser Wert in den vorangegangenen Jahren deutlich höher (2016: 40 Prozent). Lieber mal wieder persönlich treffen, statt chatten; lieber von Angesicht zu Angesicht über etwas sprechen als es online teilen, so die Devise.

„In einigen Lebensbereichen lassen sich in diesem Jahr Gegenbewegungen ausmachen“, sagt Philip Laucks, Chief Digital Officer der Postbank. „Speziell in der privaten Kommunikation wirkten die digitalen Neuerungen in den vergangenen Jahren nicht nur positiv auf die Menschen und ihre Lebensweise. Eine verstärkte Rückbesinnung, eine gewisse persönliche Analogisierung ist daher nur allzu logisch. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich hier ein Trend verstetigen wird.“

Verändert hat sich u.a. der Austausch innerhalb der Familie: Gaben im Jahr 2016 noch 27 Prozent der Befragten an, sie seien mit den Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten auf digitalem Weg in Kontakt, so waren es in diesem Jahr nur noch 21 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich in Bezug auf Beziehungen zu Partnerin oder Partner. Im vergangenen Jahr nutzten 17 Prozent der Deutschen die Online-Kommunikation, um mit der Liebsten oder dem Liebsten in Kontakt zu treten. 2017 sind es lediglich 13 Prozent.

Mit digitalen Angeboten den Alltag managen

Während sich bei der privaten Online-Kommunikation mit Familie und Freunden eine gewisse Sättigung eingestellt hat, gewinnen digitale Lösungen für praktische Fragen und Pflichten des Alltags weiter an Bedeutung. Zuwächse verzeichnen Dienstleistungen wie der Wechsel des Stromanbieters oder die Suche im Netz nach einem Babysitter sowie Steuer- und Behördenthemen. Im Jahr 2016 gaben 48 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung „eher“ oder einen „sehr großen“ Einfluss auf den Bereich Dienstleistungen hat. 2017 sind es schon 50 Prozent. Bei Steuer- und Behördenthemen sahen im vergangenen Jahr 36 Prozent eine enorme Wirkung durch den technischen Wandel, in diesem Jahr 38 Prozent.

Noch deutlicher zeigt sich die wachsende Bedeutung der Digitalisierung im Umgang mit Bankgeschäften. In diesem Lebensbereich zeigen sich für die Menschen hierzulande die größten Auswirkungen der Digitalisierung; Sie übe auf die Bankgeschäfte einen „eher“ oder „sehr großen“ Einfluss aus, sagten im Jahr 2016 rund 67 Prozent der Befragten. Ein Jahr später teilten schon 69 Prozent diese Meinung. Damit belegen Bankgeschäfte Platz eins, wenn es um den Einfluss der Digitalisierung geht. Dahinter folgen: Bildung/Wissen mit 62 Prozent (2016: 62) und Einkaufen 57 Prozent (2016: 60). „Digitale Angebote sind für die Menschen eine Hilfe und können ihnen helfen, große Teile ihrer alltäglichen Aufgaben zu managen“, sagt Philip Laucks. „Damit schaffen sie sich Freiräume, die sie anders nutzen können, insbesondere für ihre Freizeit und den Austausch im privaten Kreis.“

„Digitalisierung à la carte“

Zwar ist in der Bevölkerung eine gewisse Grundskepsis gegenüber des Megatrends und seinen langfristigen Auswirkungen erkennbar, insgesamt wissen die Deutschen aber die Vorteile des technologischen Wandels zu schätzen. Vier von fünf Befragten sagen, die Digitalisierung würde ihnen den Alltag erleichtern. Zwei Drittel können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Ebenso viele meinen, dass die Chancen der Digitalisierung die Risiken überwiegen. „Die Deutschen lassen sich nicht von allen digitalen Neuerungen überrollen“, sagt Laucks. „Sie wählen gemäß ‚Digitalisierung à la carte‘ aus, welche Angebote für sie sinnstiftend sind und sie nutzen möchten. Je besser das Kundenerlebnis, desto häufiger greifen die smarten Kunden von heute auf Apps und Co. zurück.“

Hintergrundinformationen zur Postbank Studie „Der digitale Deutsche und das Geld“

Für die Postbank Digitalstudie 2017″Der digitale Deutsche und das Geld“ wurden im Zeitraum April bis Mai dieses Jahres 3.967 Deutsche befragt. Die Postbank untersucht mit der Studie zum dritten Mal in Folge, wie sich die Bedürfnisse und das Verhalten der Bundesbürger durch die Digitalisierung verändern – und was dies für die Bank der Zukunft bedeutet.

Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht. Als Referenzdatei wurde der Zensus 2011 des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen in den Summen lassen sich durch Rundungsdifferenzen erklären.

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