Reichtumsstudie: Deutsche wittern Ungerechtigkeit bei der Geldanlage

70 Prozent der Deutschen glauben, dass reichen Menschen bessere Produkte für die Geldanlage zur Verfügung stehen. Als ‚reich‘ bezeichnet unterdessen ein Großteil der Bevölkerung (ca. 46 Prozent) Personen mit einem Vermögen von mindestens einer Million Euro inklusive Immobilienbesitz – für weitere acht Prozent beginnt Reichtum erst ab drei Millionen Euro. Dies zeigen die Ergebnisse der 2. Reichtumsstudie der RWB Group, einem Spezialisten für Private Equity-Anlagelösungen. Die repräsentative Umfrage wurde vom Marktforschungsinstitut GfK durchgeführt.

Ab welcher Vermögenshöhe inkl. Immobilienbesitz würden Sie jemanden 
als reich bezeichnen?                      in % (Vorjahresergebnisse)
bereits ab einem Vermögen unter 100.000 EUR   5,2 (3,7)
ab einem Vermögen von 100.000 EUR             11,2 (9,7)
ab einem Vermögen von 250.000 EUR             20,5 (22,1)
ab einem Vermögen von 1.000.000 EUR           46,1 (45,2)
ab einem Vermögen von 3.000.000 EUR           8,0 (12,1)
keine Angabe                                  9,0 (7,2)

Quelle: RWB Group AG/GfK SE, April 2018 bzw. April 2017

Deutsche wittern Ungerechtigkeit bei der Geldanlage

„Vermögende Menschen sind in der Regel sehr gut darin, ihr bereits bestehendes Vermögen weiter zu vermehren. Das liegt allerdings nicht an besseren Produkten. Sie kaufen sich vielmehr mit Family Offices, eigenen Vermögensverwaltern oder Privatbanken fachliche Expertise ein“, sagt Norman Lemke, Vorstand und Gründer der RWB Group. „Diese Anlageprofis wissen, dass der langfristige Vermögensaufbau mit der Beteiligung an Unternehmen etwa in Form von Aktien und Private Equity gelingen kann. An dieser Stelle ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Denn für Normalverdiener gibt es sicherheitsorientierte Anlagelösungen, mit denen sie von diesen Anlageklassen ebenso profitieren können wie die Reichen“, so Lemke weiter. Eine Umfrage unter weltweiten Family Offices (Global Family Office Report 2017, Campden Research) hatte zuletzt gezeigt, dass vermögende Familien durchschnittlich ca. 30 Prozent ihres Kapitals in Aktien und 20 Prozent in Private-Equity-Beteiligungen investieren.

Selbstvertrauen beim Vermögensaufbau weiterhin gering

Zwei Drittel der Deutschen halten es für „sehr“ oder „eher erstrebenswert, reich zu sein (65,8 Prozent). Damit ist das Streben nach Reichtum gegenüber dem Vorjahr um etwas mehr als vier Prozentpunkte gesunken (2017: 70,0 Prozent). Ihre persönlichen Chancen ein hohes Vermögen aufzubauen, schätzen die Teilnehmer der Umfrage erneut schlechter ein, als sie die allgemeinen Chancen in Deutschland beurteilen.

In %                       sehr    eher    eher     sehr     keine   
(Vorjahresergebnisse)      hoch    hoch    gering   gering   Angabe
Wie schätzen Sie Ihre      2,6     11,3    35,6     47,3     3,3
persönlichen Chancen ein, (2,7)   (11,0)  (36,3)   (46,2)   (3,8)
ein Vermögen von einer
Million Euro aufzubauen?	
                                                                     
Wie bewerten Sie aktuell   1,4     16,2    51,9     25,5     5,0
allgemein die Chancen,    (2,3)   (16,4)  (55,0)   (21,9)   (4,4) 
in Deutschland ein 
hohes Vermögen aufzubauen?                     

Quelle: RWB Group AG/GfK SE, April 2018 bzw. April 2017

Regelmäßige Geldanlage wird kaum als Chance wahrgenommen

Die besten Chancen, ein hohes Vermögen aufzubauen, sehen die Deutschen noch immer in hochqualifizierten Berufen (24,6 Prozent) und in der Gründung eines eigenen Unternehmens (21,5 Prozent). Das Paradoxe: Der Besitz bzw. die Gründung eines eigenen Unternehmens wird als probates Mittel angesehen. Die Möglichkeit, sich an bereits bestehenden Unternehmen zu beteiligen – etwa mit regelmäßigen Investitionen am Aktienmarkt – wird von der deutschen Bevölkerung unterschätzt (11,0 Prozent).

„Eine gute Ausbildung und Qualifizierung und infolgedessen ein gutbezahlter Job sind das Fundament für ein Leben im Wohlstand“, sagt Horst Güdel, Vorstand und Gründer der RWB Group. „Die Möglichkeit, einen Teil des monatlichen Gehalts regelmäßig in erfolgreiche Unternehmen zu investieren, etwa am Aktienmarkt, wird leider von den meisten Deutschen verkannt. Ich vermute, dass das Selbstvertrauen beim Vermögensaufbau auch deshalb so niedrig ist, weil diese langfristige Chance unterschätzt wird“, so Güdel weiter. Alle wichtigen Ergebnisse inkl. der Vorjahresstatistiken finden Sie auch unter www.reichtumsstudie.de

Über die Studie

Die 2. Reichtumsstudie der RWB Group wurde im April 2018 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK durchgeführt. Dabei wurde der Fragenkanon der Vorjahresstudie verwendet und um eine Frage ergänzt. Die Stichprobengröße ist 1.005. Die Daten wurden mittels Online-Befragung unter der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren erhoben.

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Kommt der Crash? (Video)

In seinem monatlichen Podcast warnt Mittelstandspräsident Mario Ohoven vor einem erneuten weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte.

Studie: Finanzindustrie wählt langsamen Weg in die Agilität

Jeder dritte Manager in Banken und Versicherungen in Deutschland hält das eigene Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb für überdurchschnittlich agil. Um schneller zu entscheiden, verzichten allerdings 40 Prozent noch auf moderne IT-Anwendungen. 91 Prozent der befragten Manager vertrauen vorrangig auf Erfahrungen und Intuition. Zudem plant nur jeder vierte Finanzdienstleister derzeit den Abbau starrer Hierarchien. Das sind die Ergebnisse der Studie „Potenzialanalyse agil entscheiden“ von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut.

Dabei haben Banken und Versicherungen wie alle Unternehmen in Deutschland immer weniger Zeit für Entscheidungen: Sechs von zehn für die Studie befragten Finance-Manager berichten, deutlich schneller Beschlüsse zu fassen als früher. Jeder Zweite trifft zudem häufiger Entscheidungen als noch vor fünf Jahren. Dafür sorgt vor allem die beschleunigte Kommunikation: Informationen stehen heute schneller zur Verfügung, der Austausch ist durch mobile Geräte grenzenlos möglich.

Die Unternehmen reagieren branchenübergreifend auf Informations- und  Entscheidungsflut mit diversen Maßnahmen. Sie brechen ihre Organisationsstrukturen auf und nutzen neue Technologie, um schneller auf Kundenanforderungen zu reagieren und Veränderung zu erkennen.
Auch in nahezu jeder fünften Bank oder Versicherung herrscht mittlerweile ein agiler Führungsstil. Durch mehr Mitwirkung und Eigenverantwortung der Mitarbeiter sollen Entscheidungen beschleunigt werden.

Auf technologische Unterstützung für die Entscheidungsfindung verzichten Finanzunternehmen jedoch überdurchschnittlich häufig. Nur sechs Prozent der befragten Führungskräfte setzen beispielsweise auf Predictive-Analytics-Anwendungen, die ihnen bei Prognosen helfen. In anderen Branchen sind es im Durchschnitt rund 20 Prozent. Auch bei der Einführung flächendeckender Collaboration Tools sind Banken und Versicherer zurückhaltend. Zwölf Prozent nutzen moderne Technologien für den schnellen zentralen Zugriff auf Wissen. Genauso viele Finanzdienstleister setzen auf künstliche Intelligenz, unter anderem bei der Auswertung komplexer Schriftstücke. Hier ist die Branche sogar Vorreiter.

Weniger halbe Sachen und mehr Vorsicht

Wenn es um den weiteren Abbau von Hierarchien geht, sind in 25 Prozent der Banken und Versicherungen aktuell Maßnahmen geplant: Zum Vergleich: In der verarbeitenden Industrie arbeitet rund jedes dritte Unternehmen am Rückzug des klassischen Chef-Mitarbeiter-Modells. Jeder zweite Industrie-Entscheider meldet zudem zurück, mit einer Zwischenlösung zwischen agiler Selbstorganisation und klassischer Führung mit Anweisungen und Kontrolle zu arbeiten. Derartige Mischformen agiler Führungsmodelle finden sich dagegen nur in 29 Prozent der befragten Finanzunternehmen.

„Die Finanzindustrie geht beim Aufbau einer agilen Organisation zurückhaltender vor als andere Branchen. Die Institute testen die neuen kollaborativen Strukturen und Technologien meist in separaten Einheiten, dort aber mit aller Konsequenz, wie beispielsweise die Digital-Fabrik der Deutschen Bank zeigt“, sagt Matthias Frerichs, Leiter Digital Banking bei Sopra Steria Consulting.

Der langsamere Abschied von starren Entscheidungswegen liegt auch an der überdurchschnittlichen Regulierung der Branche. Zwei von drei Managern sehen sich in ihrer Bewegungsfreiheit bei Entscheidungen durch regulatorische Bestimmungen eingeschränkt – ein Spitzenwert. „Die strengen Complianceregeln und vor allem die Haftungskonsequenzen für Manager führen dazu, dass Bank- und Versicherungsmanager seltener delegieren als in anderen Wirtschaftszweigen“, so Frerichs. Die Studie stützt die Aussage: Trotz des spürbaren Anstiegs bei der Anzahl an Entscheidungen seit 2013 verteilt nur etwas mehr als jeder Vierte Entscheidungen auf mehrere Schultern. In der Industrie und der öffentlichen Verwaltung gibt mittlerweile rund jeder Dritte mehr Entscheidungsgewalt ab als vor fünf Jahren.

infografik potenzialanalyse

Zum „Managementkompass agil entscheiden“…

Über die Studie: „Potenzialanalyse Agil Entscheiden“ Frankfurt Business Media hat im Februar 2018 im Auftrag von Sopra Steria Consulting 302 Führungskräfte aus den Branchen Finanzdienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe, öffentliche Verwaltung sowie Telekommunikation und Medien gefragt, wie sich das Entscheidungs-und Führungsverhalten derzeit verändert.

Studie zur Digital Maturity: Vorsicht der Verbraucher und gut funktionierende Zahlungsprozesse bremsen Digitalisierung der Finanzdienstleistungen

  • -Deutschlands Banken weisen einen mäßigen „digitalen Reifegrad“
    auf – im internationalen Vergleich stehen sie nur auf Platz 24 von
    38
  • Die größten deutschen Geldinstitute unterscheiden sich dabei nur
    wenig voneinander und agieren auf einem ähnlichen Niveau
  • Kundenverhalten in Deutschland noch nicht so ausgeprägt wie in
    anderen Ländern: Deutsche sind generell vorsichtig beim Thema Daten
    und sehr bargeldaffin

Deutschland ist Weltmeister in vielen Bereichen. Auf einigen Gebieten reicht es jedoch nur für einen Platz im unteren Mittelfeld. Das gilt für die digitale Infrastruktur – und auch für den Digitalisierungsgrad der Banken des Landes. Die aktuelle Deloitte-Studie „Digital Banking Maturity 2018“ zeigt, dass für die deutschen Geldinstitute im internationalen Vergleich noch einiger Nachholbedarf besteht, bevor ein Platz auf den vorderen Rängen in Reichweite kommt. Dabei sind die Unterschiede innerhalb der Branche eher gering, sodass es hier eines kollektiven „Rucks“ bedürfte. Für einen großen Sprung nach vorn braucht es insbesondere eine prinzipielle strategische Positionierung als auch die Etablierung bestimmter, vom Kunden nachgefragter Standards wie eine Open-Banking-Plattform und zusätzliche Services in der Peripherie.

„Dass sich gerade Deutschland als High-Tech-Land in punkto digitaler Reifegrad der Banken eher moderat präsentiert, liegt weniger an einer generellen Aversion von Banken und Kunden für digitale Lösungen und Angebote, sondern begründet sich eher im Gegenteil: „Viele alltägliche Zahlungsprozesse funktionieren in Deutschland so gut, dass der Veränderungsdruck bisher gering war, insbesondere im direkten Vergleich mit z.B. Osteuropa“, sagt Hans-Jürgen Walter, Partner und EMEA Co-Lead Financial Services Industry bei Deloitte.

Deutschland nur auf Platz 24

Platz 24 von 38 teilnehmenden Ländern aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika ist kein Ruhmesblatt für die deutsche Bankenlandschaft. Damit gilt Deutschland allenfalls als „Adopter“, der sich näher an den „Latecomers“ als an den „Champions“ und „Smart Followers“ bewegt. In der Spitzengruppe finden sich vor allem ost- und nordeuropäische Staaten, aber auch Frankreich, die Schweiz und Südafrika, während die Schlusslichter vielfach aus dem Nahen Osten stammen.

Das Gute als Feind des Besseren?

Die Gründe für die Position der deutschen Banken sind vielfältig: Zum einen sind die Deutschen generell eher vorsichtig, wenn es um datenintensive Online-Anwendungen geht – was sich nicht zuletzt am hohen Stellenwert des Bargelds manifestiert. Zum anderen bestehen in Deutschland seit Jahrzehnten zahlreiche und gut funktionierende Zahlungssysteme, die den Kundenbedürfnissen und -gewohnheiten weitgehend entsprechen.

Digitale Kontoeröffnung im Fokus

Das Spektrum digitaler Anwendungen ist breit gestreut und reicht vom allgemeinen Informationstransfer über das Tagesgeschäft bis hin zur digital gestützten Auflösung des Kundenverhältnisses. In allen Disziplinen erreichen die deutschen Banken – mit einigen Ausrutschern nach unten – Werte zwischen 20 und 50 Prozent. Gerade aber die vollständig digitale Kontoeröffnung und -schließung scheint besonders entwicklungsfähig, hier liegen die Scores deutlich unter dem Schnitt. Auch beim Tagesgeschäft und der allgemeinen Beendigung des Kundenverhältnisses überschreiten sämtliche Score-Werte kaum die Ein-Drittel-Marke.

Von Internet zu Mobile

Im Internet Banking scheinen die deutschen Banken weiterentwickelt als im Mobile-Bereich – der Schnitt des aktuellen Entwicklungsstands liegt bei Mobile deutlich niedriger. Dabei legen die Kundenpräferenzen eigentlich ein anderes Ergebnis nahe: In nahezu allen Aspekten des Bankings wird der Mobile Channel vorgezogen. Auf der anderen Seite haben Datenschutz-Bedenken gerade im Hinblick auf Apps eine bremsende Wirkung – anders als etwa in den skandinavischen Ländern, die hier bereits über mehr Erfahrung verfügen.

„Wenn Deutschland die führenden Länder ein- oder sogar überholen möchte, haben die Banken noch einige Arbeit vor sich. Das gilt vor allem für die Bereiche Open Banking, also einen in ein Ökosystem eingebundenen, plattformbasierten Ansatz mit Drittanbietern, und für ‚Beyond Banking‘. Bei diesem ebenfalls plattformbasierten Modell sind über die eigentlichen Bank-Leistungen auch zahlreiche weitere Services eingeschlossen – bis hin zu Nischen-Dienstleistungen und individualisierten Angeboten“, resümiert Jürgen Lademann, Partner und Digitalisierungsexperte bei Deloitte Digital.

Über die Studie

Zur Analyse der digitalen Fähigkeiten und Kompetenzen des Bankensektors in EMEA hat Deloitte die „EMEA Digital Banking Maturity Study“, durchgeführt, eine umfassende Analyse der digitalen Kompetenzen sowie der Marktsituation in 38 Ländern, die insgesamt 238 Banken sowie 10 FinTechs umfasst.

Bitcoin: Ein Fünftel der User kann Änderung erzwingen

Durchgeboxte Anpassung der Blockgröße würde viel Vertrauen kosten

Die Kryptowährung Bitcoin ist äußerst angreifbar, warnen Forscher der Universität Twente in ihrer aktuellen Studie. Denn eine Gruppe, die nur ein Fünftel der genutzten Rechenleistung kontrolliert, könnte binnen weniger Tage grundlegende Änderungen am System durchsetzen. „Das ist wie eine Situation, in der 20 Prozent der Aktionäre eines Unternehmens der großen Mehrheit ihre Ansichten aufzwingen können“, meint Erstautor Ansgar Fehnker, Professor für Programmierbildung in Twente. Das Vertrauen in das System würde darunter wohl leiden.

Streitbeilegung auf brachiale Tour

Die Bitcoinwelt ist gespalten. Denn manche sind mit dem aktuellen Standard unzufrieden. So begrenzt das aktuelle Protokoll durch die Blockgröße von einem Megabyte indirekt die Zahl der möglichen Transaktionen auf maximal sieben pro Sekunde. Im Vergleich zum Transaktionsvolumen beispielsweise von Kreditkartenfirmen ist das nichts. Ein Lager wünscht also entsprechende Änderungen. Dabei ist auch die Idee aufgekommen, diese durch einen Angriff zu erzwingen – und genau das wäre erschreckend leicht möglich, so das Ergebnis der anlässlich des NASA Formal Methods Symposium vorgestellten Studie.

Den Berechnungen der Forscher zufolge würde es ausreichen, wenn eine Gruppe 20 Prozent der Bitcoin-Mining-Rechenleistung kontrolliert. Dann könnte sie mit einer geeigneten Angriffsmethode dem Rest der Bitcoin-Community binnen weniger Tage ein neues Protokoll aufzwingen, das durch eine Änderung der Blockgröße letztlich auch mehr Transaktionen pro Sekunde ermöglicht. Diese Attacke würde rückwirkend alle Transaktionen der vorangegangenen Stunden annullieren. Allerdings müssten die Angreifer in Kauf nehmen, dass solch ein Vorgehen das Vertrauen in das Bitcoin-System wohl schwer in Mitleidenschaft ziehen würde.

Unwahrscheinlich, nicht unrealistisch

Ob ein Bitcoin-Lager gewillt wäre, mit einem Vertrauens- auch einen großen Wertverlust zu riskieren, scheint fraglich. Doch prinzipiell ist durchaus realistisch, dass genug User an einem Strang ziehen. Denn Zusammenschlüsse zu großen Mining-Pools sind nicht unüblich. „Es gibt meist zwei bis drei im 20-Prozent-Bereich“, erläutert Fehnker gegenüber pressetext. Der laut blockchain.info größte Pool, BTC, liegt aktuell sogar bei rund 29 Prozent.

Auch ohne Brachialmethoden ist zumindest etwas Bewegung in das Thema gekommen. „Die Bitcoin-Miner haben sich vor Kurzem auf einige kleine Änderungen geeinigt, um den Sorgen jener, die die Blockgröße abschaffen oder signifikant erhöhen wollen, entgegenzukommen und diese zu mindern“, weiß Fehnker. Allerdings zeichnet sich auch schon ab, dass dieser kleine Schritt Kritikern nicht weit genug geht.

Postbank Digitalstudie 2018: Jeder dritte Deutsche zieht Kryptowährungen als Geldanlage in Betracht (Infografik)

Trotz hoher Kursverluste sind Bitcoin & Co. beliebt

  • Renditechancen und Unabhängigkeit vom etablierten Finanzsystem reizen Kryptofans
  • Eigenes Wissen über die digitale Geldanlage wird oft überschätzt

Bitcoin, Ethereum und Co. mussten zuletzt zwar starke Kurseinbrüche hinnehmen, ihrer Beliebtheit hat dies aber nur wenig geschadet. Insgesamt 29 Prozent der Bundesbürger sehen in der digitalen Währung eine interessante Geldanlage. Die repräsentative Befragung im Rahmen der Postbank Digitalstudie 2018 erfolgte zwischen Ende Februar und Ende März, also unmittelbar nach den zum Teil sehr deutlichen Kurseinbrüchen der Digitalwährungen. Insbesondere die Unabhängigkeit von regulierenden Finanzsystemen und die Aussicht auf hohe Renditen üben auf die Deutschen eine große Faszination aus. Ganz besonders ausgeprägt ist das Interesse der jüngeren und digital affinen Deutschen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren interessiert sich fast jeder Zweite (46 Prozent) für Kryptowährungen als Geldanlage – trotz oftmals negativer Berichterstattung.

Medienpräsenz verstärkt Interesse für Bitcoin und Co.

Im vergangenen Jahr sprangen die Kryptowährungskurse von einem Rekordhoch zum nächsten, seit Jahresende 2017 ist der Kurs der verbreitetsten Kryptowährung Bitcoin jedoch um mehr als 65 Prozent eingebrochen. Die Medien berichteten ausführlich über die Kursschwankungen und viele Branchenvertreter melden sich mit Warnungen zu Wort; etwa die Deutsche Bundesbank oder die Deutsche Finanzaufsicht Bafin. Auch die Stimmen der Experten, die eine Revolution im Anlagegeschäft durch Kryptowährungen vorausgesagt hatten, wurden deutlich leiser.

„Es ist bemerkenswert, dass das Interesse der Deutschen an Kryptowährungen als Geldanlage trotz hoher Kursverluste und offenbarer Risiken immer noch groß ist“, sagt Dr. Thomas Mangel, Chief Digital Officer der Postbank. „Hier liegt mit Sicherheit eine reelle Gefahr, dass Menschen Geld verlieren, nur weil sie einem Hype folgen.“ Bitcoin war 2009 die erste Kryptowährung, inzwischen gibt es mehr als 1.500. Durch dezentrale Datenhaltung und kryptographisch abgesicherte Protokolle entsteht ein digitaler Zahlungsverkehr ohne Zentralinstanzen wie etwa Banken.

Frauen fasziniert von Systemunabhängigkeit, Männer von Renditechancen Besonders die Unabhängigkeit von etablierten Finanzsystemen ist es, die die Deutschen an Kryptowährungen fasziniert. Dieser Aspekt ist für Frauen (60 Prozent) deutlich wichtiger als für Männer (51 Prozent). Die Aussicht auf vermeintlich hohe Renditen reizt dagegen vor allem Männer (56 Prozent im Vergleich zu 36 Prozent der Frauen). Für jeden dritten Fan von Kryptowährungen ist auch die Anonymität wichtig. Anders als zum Beispiel bei Unternehmensaktien ist der einzelne Anleger nicht von Interesse. Bei einem physischen Besitz von Kryptowährungen hat auch kein Bankmitarbeiter oder Broker Einblick ins Depot. Für jeden fünften Interessenten zählen außerdem emotionale Gründe wie Nervenkitzel und das „Goldgräber-Feeling“, in eine noch relativ neue, digitale Anlageform zu investieren.

Faszination bei jungen Leuten besonders groß

Den Schritt zum Investment wagen vor allem junge Menschen. Mit sechs Prozent besitzen die so genannten „Digital Natives“ doppelt so oft Kryptowährungen wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. In den kommenden zwölf Monaten wollen sich weitere 14 Prozent der 18- bis 34-Jährigen noch Kryptowährungen zulegen. Über alle Altersgruppen hinweg sind dies nur acht Prozent. „Bei aller Faszination sollten junge Anleger aber auch Angebote aus dem etablierten Bankensystem nicht aus dem Blick verlieren. Wer schon um Wertpapiere als Geldanlage einen Bogen macht, der sollte aufgrund der hohen Risiken erst recht nicht in Kryptowährungen investieren. Denn diese Art von Investment ist hoch spekulativ“, so Thomas Mangel weiter.

Wissen über Chancen und Risiken wird vermutlich überschätzt

Die hohen Kursschwankungen bei Kryptowährungen sowie Pläne von Bankenkonsortien oder sogar Ländern, eigene Kryptowährungen zu etablieren, haben zu einer breiten Berichterstattung in den Medien geführt. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass diese Medienpräsenz bei vielen Deutschen zu dem Schluss führt, sich mit Kryptowährungen gut auszukennen – weil sie darüber schon so viel gelesen oder gehört haben. 20 Prozent der Bundesbürger bescheinigen sich selbst ein gutes oder sehr gutes Wissen über Kryptowährungen. Die Digital Natives fühlen sich noch sicherer auf dem Terrain: 29 Prozent der 18- bis 34-Jährigen halten sich für „Kryptokenner“.

„Aufgrund des Medienhypes überschätzen viele Menschen ihr Wissen über Chancen und Risiken von Kryptowährungen als Geldanlage“, warnt Thomas Mangel. Beispielsweise wüssten viele nicht, dass Gewinne aus Kryptowährungen voll versteuert werden müssen, wenn sie nicht mindestens ein Jahr lang gehalten werden. Vor allem aber werde das Risiko des Totalverlusts, das es bei anderen Geldanlagen in dieser Form nicht gibt, zu wenig berücksichtigt. Wer dennoch unbedingt in Kryptowährungen investieren möchte, dem rät Mangel, nur eine Summe zu wählen, auf die er gut verzichten kann.

Postbank Digitalstudie 2018

Hintergrundinformationen zur Postbank Digitalstudie 2018 – Der digitale Deutsche und das Geld

Für die Postbank Digitalstudie 2018 – Der digitale Deutsche und das Geld wurden im Zeitraum Februar bis März dieses Jahres 3.100 Deutsche befragt. Die Postbank untersucht mit der Studie zum vierten Mal in Folge, welche Entwicklungen sich in den verschiedenen Lebensbereichen der Deutschen in Bezug auf Digitalisierung allgemein und insbesondere zu Finanzthemen abzeichnen. Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht. Als Referenzdatei wurde der Zensus 2011 des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen in den Summen lassen sich durch Rundungsdifferenzen erklären.

Mobile Payment läuft in Deutschland noch nicht (Infografik)

 Rund 2,2 Millionen Menschen in Deutschland werden laut Statista Digital Market Outlook dieses Jahr am Point-of-Sale Mobile Payment nutzen. Darunter fallen Zahlungen über mobile Wallets, app-basierte Transaktionen mit einem geeigneten Zahlungsterminal des Händlers und NFC, QR-Code oder Bluetooth-basierte Zahlungsvorgänge. Aber auch diejenigen, die solche Dienste nutzen, tun das eher zurückhaltend wie das mit etwas mehr als 80 Euro niedrige durchschnittliche Transaktionsvolumen pro Nutzer zeigt. Anders sieht das beispielsweise in den USA (1.838 €/Nutzer) oder Großbritannien (1.683 €/Nutzer) aus.

Infografik: Mobile Payment läuft in Deutschland noch nicht | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die Agenda der Banken 2018 (Studie)

Digitalisierung steht bei Banken weltweit oben auf der Agenda, doch als größte Gefahr für ihr Geschäft sehen die CEOs dennoch die Überregulierung. Dies zeigt die Befragung von weltweit 188 Bank-CEOs im Rahmen des 21. CEO Survey (2018) von PwC. Auch Investitionen in Cyber Security zum Schutz vor Hackern gehören in diesem Jahr zu den Prioritäten der Entscheider.

Die Angst vor Überregulierung

51 Prozent der Bankchefs sind extrem besorgt über die Auswirkungen von Überregulierung auf ihr Geschäftsmodell. Dagegen fürchten nur 42 Prozent schwere negative Folgen durch den rasanten technologischen Wandel. Das dritte große Sorgenthema sind Cyber-Attacken. Hier zeigen sich 54 Prozent der Bank-CEOs besonders besorgt.

Die Fähigkeit zur digitalen Transformation

76 Prozent der befragten CEOs halten die momentanen technologischen Veränderungen für potenziell disruptiv. 81 Prozent verweisen auf das disruptive Potenzial, das im Zuge des digitalen Wandels von den Veränderungen im Kundenverhalten ausgeht. Drei von vier Bankchefs zeigen sich allerdings unzufrieden mit der digitalen Expertise innerhalb ihres eigenen Instituts. Und 55 Prozent finden es schwierig oder gar sehr schwierig, „digitale“ Talente von außerhalb zu gewinnen.

Die Chancen auf Wachstum

CEOs bewerten die Wachstumsaussichten ihrer eigenen Bank überwiegend als gut. 38 Prozent geben sich „sehr optimistisch“, 49 Prozent „einigermaßen optimistisch“, was die nächsten zwölf Monate angeht. Im Mittelpunkt steht dabei das organische Wachstum (89 Prozent), während nur 32 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate eine M&A-Transaktion planen. Als wichtigste Auslandsmärkte sehen die Bank-CEOs in den kommenden Monaten die USA (38 Prozent), China folgt dicht darauf auf Rang zwei (33 Prozent).

pwc-infografik-ceo-survey-2018-banken-in-sorge-752

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