Studie: Unternehmenskulturelle Aspekte behindern die digitale Transformation

62 Prozent der Teilnehmer einer weltweiten Umfrage sehen die Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation.

  • Nennung von Kulturproblemen steigt um 7 Prozentpunkte gegenüber Untersuchung von 2011
  • Mitarbeiter und Führungskräfte nehmen digitale Unternehmenskultur stark unterschiedlich wahr

62 Prozent der Teilnehmer einer weltweiten Umfrage sehen die Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation. In Deutschland liegt der Wert mit 72 Prozent sogar leicht darüber. Damit riskieren die Unternehmen, im derzeitigen Digitalisierungsumfeld gegenüber ihren Wettbewerbern zurückzufallen. Die Daten zeigen dabei auch, dass sich der Stand gegenüber der letztmalige Untersuchung aus dem Jahr 2011 um sieben Prozentpunkte verschlechtert hat. Für die Untersuchung haben das Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini und Brian Solis, ein bekannter Digitalanalyst und Buchautor, 1.700 Mitarbeiter von 340 Unternehmen aus 8 Ländern im März und April 2017 befragt.

Mitarbeiter empfinden die Kultur ihres Unternehmens nicht als „digital“

Insbesondere zwischen der Gruppe der Top-Management-Vertreter und der weiteren Mitarbeiterschaft besteht eine deutliche Kluft in der kulturellen Digital-Affinität: Während 40 Prozent auf Top-Management-Level von einer bereits existierenden digitalen Unternehmenskultur sprechen, sind es bei den restlichen Mitarbeitern nur 27 Prozent. In Deutschland ist der Abstand noch deutlicher. Insgesamt kamen sieben Attribute zum Tragen, die in der Studie eine digitale Unternehmenskultur beschreiben: die Art der Zusammenarbeit, Innovation, offene Kultur, Digital-First-Vorgehen, Agilität und Flexibilität sowie Kundenzentrierung als auch einen datengetriebenen Ansatz. Aus den Daten zusammen mit Fokusinterviews ließen sich Gründe für diese Lücke in der Wahrnehmung einer digitalen Kultur ausmachen: Dazu gehören die Unfähigkeit von Führungskräften, eine klare digitale Vision zu vermitteln, das Fehlen von beispielgebenden Mitarbeitern sowie fehlende Kennziffern für die Ziele der digitalen Transformation.

Claudia Crummenerl, Leiterin Executive Leadership & Change bei Capgemini Consulting in Deutschland, Österreich und Schweiz: „Die Digitalisierung kann einen signifikanten Wertbeitrag erzeugen, aber es braucht dazu die passende Unternehmenskultur. Unternehmen müssen alle Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung mitnehmen, sie befähigen und inspirieren. Diejenigen Firmen, die eine digitale Kultur zum Eckpfeiler ihrer Strategie machen, werden bessere Beziehungen zu ihren Kunden aufbauen können, ziehen die besten Mitarbeiter an und wappnen sich für Erfolg in der digitalen Welt.”

Diskrepanz zwischen Führungskräften und Mitarbeitern in allen Dimensionen digitaler Kultur

  • Innovation ist für viele Organisationen immer noch keine Realität. Die Vertreter von nur sieben Prozent der Unternehmen aus der Studie sehen ihre Organisation in der Lage, neue Ideen zu testen und schnell umzusetzen. Mit dem einhergehend sagen lediglich 37 Prozent der Mitarbeiter, ihre Organisation habe eine Innovationskultur und sei experimentier- als auch risikofreudig. Auf Seiten des Top-Managements liegt der Wert bei 75 Prozent.
  • Starke Kluft bei der Wahrnehmung von Zusammenarbeit im Unternehmen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass 85 Prozent des Top-Managements ihrem Unternehmen zugestehen, die interne Zusammenarbeit zu fördern. Im Kontrast dazu empfinden das lediglich 41 Prozent der weiteren Mitarbeiter so.
  • Das Management glaubt, es habe eine Digitalvision; die Mitarbeiter widersprechen. Es gibt eine bemerkenswerte Kluft in Sachen „digitale“ Vision: 62 Prozent der Führungskräfte sehen ihr Unternehmen mit einer gut definierten Strategie hinsichtlich der zu erreichenden digitalen Ziele ausgestattet. Derselben Aussage stimmen allerdings nur 37 Prozent der Mitarbeiter unterhalb der Führungsriege zu.

„Unternehmen sind offensichtlich nicht in der Lage, ihre Mitarbeiter an der kulturellen Weiterentwicklung zu beteiligen”, schlussfolgert Claudia Crummenerl. Doch genau dies sei notwendig für eine effektive Digitalkultur wie auch die gesamte digitale Transformation einer Organisation. Die Führungskräfte auf Top- wie auch mittlerer Ebene seien es, die aus der allgemein gültigen Digitalvision greifbare Ergebnisse ableiten und entsprechendes beispielhaftes Verhalten auch honorieren müssten. „Der große Moment für ein Unternehmen kommt, wenn es entdeckt, dass die digitale Transformation keine Frage der Technik ist, sondern ein Wandel der Kultur“, so  Ian Rogers, Chief Digital Officer bei LVHM.

Kulturelle Digitalvordenker setzen sich ab

Die Studie identifiziert sogenannte kulturelle Digitalvordenker – jede Dritte (34%) untersuchte Organisation gehört dazu. Sie schneiden über alle sieben Dimensionen von Digitalkultur hinweg gut ab und deren Management hat das gesamte Unternehmen erfolgreich auf die Zielkultur eingeschworen. Diese Gruppe ist besonders stark in Großbritannien (63%), Schweden (60%) und den USA (56%) vertreten.

„Kultur ist entweder das größte Hindernis oder aber der stärkste Beschleuniger digitaler Transformation wie auch Innovation. Viele Manager glauben, dass ihre Unternehmenskultur bereits digital sei. Aber wenn man ihre Mitarbeiter fragt, dann sehen die das völlig anders. Diese Lücke zeigt ein Fehlen von digitaler Vision, Strategie und taktscher Umsetzung von oben her“, so Brian Solis, der Koautor der Studie.

Der vollständige Report kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://www.de.capgemini-consulting.com/resources/the-digital-culture-challenge-closing-the-employee-leadership-gap

Empfehlungen zum Aufbau einer digitalen Unternehmenskultur

Der Aufbau einer Digitalkultur und der damit verbundene Wandel benötigt Geduld, Beharrlichkeit und kontinuierliche Wachsamkeit. Einige zentrale Elemente sind allen Unternehmen beim Wechsel hin zu einer Digitalkultur gemein:

  • Ausbildung von Change Agenten und Befähigung der Mitarbeiter, selbst zur digitalen Kultur beizutragen
  • Entwicklung neuer Kennziffern, die auf das Verhalten abzielen
  • Greifbarmachen des digitalen Kulturwandels
  • Investitionen in Fähigkeiten, die tatsächlich gebraucht werden
  • Klare Kommunikation der Digital Vision und sichtbare Unterstützung durch das Management
  • Einsatz von digitalen Kollaborations-Tools, um Transparenz sicherzustellen und den engen Kontakt zu den Mitarbeitern herzustellen
  • Ein systemischer Denkansatz, um kulturellen Wandel anzugehen

Studienmethode:

Der Report umfasst die Antworten von 1.700 Personen aus 340 unterschiedlichen Organisationen. Darunter sind 20 Prozent Management-Vertreter, 40 Prozent können dem Mittleren Management zugeordnet werden und die restlichen 40 Prozent der weiteren Mitarbeiterschaft. Die Unternehmen stammen aus den Branchen Automobil, Banken/Versicherungen, Konsumgüter, Handel und Telekommunikation. Auf Länderebene wurden Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Schweden, Spanien und die USA einbezogen. Über die Befragung hinaus führte Capgemini eine Reihe von Fokusinterviews mit Wissenschaftlern, Top-Management-Vertretern sowie Mitarbeitern. Der Untersuchungszeitraum ist März bis April 2017.

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Studie: Retail-Banken müssen bionischer werden

Retail-Banken könnten durch neue Technologien und eine stärkere Mensch-Maschine-Interaktion ihre Erträge in den kommenden drei Jahren bis zu 30 Prozent steigern. Diese „bionische“ Transformation kann helfen, lange Bearbeitungszeiten, wenig attraktive Online-Services und generische Kundenangebote im Privatkundengeschäft zu überwinden und erhebliche Ertragspotenziale zu heben.

Laut dem Report „Global Retail Banking 2017: Accelerating Bionic Transformation“ von The Boston Consulting Group (BCG) erledigen nur noch 11 Prozent der österreichischen Kunden ihre gesamten Bankgeschäfte in der Filiale. 51 Prozent nutzen schon ausschließlich digitale Kanäle – Tendenz steigend. Die meisten Banken haben auf diese Entwicklung reagiert und ihre digitalen Angebote optimiert, schöpfen aber das Potenzial der Digitalisierung bei weitem noch nicht aus.

Österreichische Retailbanken verschlafen viele Chancen der Digitalisierung

Europaweit werden schon rund 45 Prozent der Konten bei führenden Banken digital eröffnet. In Deutschland sind es dagegen nur 3 Prozent außerhalb der Direktbanken. Bisher wurde bei den meisten österreichischen Banken hauptsächlich das Schaltergeschäft digitalisiert.  Die Abwicklung von Bankgeschäften ist noch kaum digitalisiert.

Bionische Transformation vorantreiben

Die BCG-Analyse identifiziert drei zentrale Bereiche, in denen sich Veränderungen lohnen:

  • Digitalisierte „Customer Journey“: Durch bessere digitale Kundenschnittstellen könnten Banken ihre Umsätze bis zu einem Fünftel steigern. Dazu müssen sie die wichtigsten Kundenerfahrungen identifizieren und neu gestalten. Künstliche Intelligenz, Robotik und andere digitale Serviceunterstützer können helfen, den Service effizienter zu machen. Zugleich sollten die Kapazitäten von Customer Relationship Managern erhöht werden. Durch schnellere Bearbeitungszeiten und präzisere Entscheidungsfindung können die Kosten um 10 bis 25 Prozent gesenkt werden.
  • Vielfältige Filialnetze: Eine der wichtigsten Herausforderungen ist die Umgestaltung des Filialnetzes, das rund 25 bis 30 Prozent der Gesamtbetriebskosten ausmacht. Anstatt eines einheitlichen Filialmodells sollten Banken vielfältige Filialformate schaffen. Smarte Datenanalysen helfen, Veränderungen im Kundenverhalten, Produktmix und in der Profitabilität vorherzusagen, und so Standortwahl und -angebot optimal zu bestimmen. Das verspricht Umsatzgewinne von 5 bis 15 Prozent und ermöglicht Steigerungen der Kundenzufriedenheit von 10 bis 15 Prozent.
  • Wertorientierte Preisbildung: Die Kunden erwarten von den Banken maßgeschneiderte Online- und Offline-Services und attraktive, leicht verständliche Produkte zu einem fairen Preis. Mit einer wertorientierten Preisbildung können Banken die Kundenzufriedenheit verbessern und eine Umsatzsteigerung bis zu 15 Prozent über einen kurzen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten erzielen. Zudem sollten die Banken in Produkt- und Serviceinnovationen investieren.

Retail-Banking bleibt wesentlicher Umsatztreiber

Das Privatkundengeschäft bleibt ein wichtiger Umsatzbringer für Banken. Rund 45 Prozent des Umsatzes des globalen Bankgeschäfts werden dort erwirtschaftet. Laut BCG-Analyse erhöht sich der Umsatz des Retail-Banking zwischen 2016 und 2020 mit einer kumulierten jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 4,6 Prozent – eine Rate, die fast zwei Prozentpunkte höher liegt als vor der Finanzkrise.

Bei 98 Prozent der Darlehensverträge und 74 Prozent der Girokonto-Eröffnungen wünschen sich Kunden die persönliche Betreuung.

Digitale Kunden

Der Blick auf die Weltregionen zeigt: Stark wachsen die Retailbanken vor allem im Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika mit Wachstumsraten bis zu 10 Prozent. Dagegen liegen die Wachstumsraten von Nordamerika und Westeuropa in demselben Zeitraum bei nur etwa 2,5 Prozent.

„Jedes Finanzinstitut steht regional vor anderen Herausforderungen und muss für seinen Markt individuelle Geschäftsmodelle mit attraktiven Angeboten entwickeln“, erläutert Holger Sachse, Partner und BCG-Experte für RetailBanking und Financial Services. „Abwarten ist keine Option. Gerade in entwickelten Ländern müssen Retail-Banken jetzt handeln und massiv in den Ausbau von intelligenten Mensch-MaschineInteraktionen investieren. Die smarte Vernetzung von neuen Finanzprodukten mit einer individuellen digitalen Kundenbetreuung wird zum eindeutigen Wettbewerbsvorteil im Privatkundengeschäft.“

Finanzsektor hat keine Angst vor der Blockchain (Studie & Infografik)

Banken, Versicherer und sonstige Finanzdienstleister in Deutschland haben wenig Sorge, durch die Blockchain-Technologie verdrängt zu werden. Nur zwölf Prozent der für eine Studie befragten Institute befürchten, dass durch die Blockchain ihr Geschäft obsolet werde. Etwas kritischer wird dagegen das Risiko einer neuen Konkurrenz durch Technologie-Startups gesehen. Das ergibt die Studie „Potenzialanalyse Blockchain“ von Sopra Steria Consulting, für die 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen befragt wurden.

Eine große Stärke der Blockchain-Technologie ist, dass durch sie Personen und Unternehmen sicher Werte austauschen können, ohne dass zwischen ihnen eine vertrauensstiftende Instanz geschaltet ist. Im Zahlungsverkehr und Wertpapierhandel treten heute normalerweise Banken und Börsen als Vermittler auf und führen die Transaktion durch. Durch die Blockchain-Technologie sind derartige Transaktionen jederzeit nachvollziehbar, so dass sich Geschäfte auch zwischen sich unbekannten Personen sicher abwickeln lassen, ohne dass es diese vermittelnde Stelle gibt. Zudem lassen sich Transaktionen automatisieren. Über Business-Regeln, so genannte Smart Contracts, können Transaktionen oder ähnliche Aktionen automatisch ausgeführt werden, sobald vorab definierte Bedingungen erfüllt sind.

Dass Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister, beispielsweise Clearingstellen, durch die Blockchain-Technologie ihre Daseinsberechtigung verlieren, glauben in der Branche dennoch die wenigsten. Etwas ernster bewerten die befragten Institute die aufkommende Konkurrenz durch Startups: Rund 18 Prozent fürchten, dass ihnen unter anderem Fintechs mit eigenen Blockchain-Diensten das Geschäft streitig machen. Das Berliner Startup Bitwala vereinfacht beispielsweise mit seinem Blockchainangebot den Geldtransfer ins Ausland und positioniert sich damit gegenüber etablierten Anbietern wie Western Union.

49 Prozent der befragten Finanzdienstleister sehen sogar eher die Chance, selbst neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die eigenen Angebote effizienter zu gestalten. Die Axa Versicherung hat beispielsweise als Vorreiter eine automatisierte Versicherung gegen Flugausfälle und Verspätungen auf Blockchain-Basis eingeführt. „Banken wollen sich mit ihrem fachlichen Know-how eher als künftige Anbieter von Blockchain-Plattformen positionieren und sich nicht von Technologieunternehmen und Startups verdrängen lassen“, sagt Mustafa Cavus, Blockchain-Experte von Sopra Steria Consulting.

Anders als bei anderen Technologien, beispielsweise Online-Bezahlverfahren, wollen die Institute diesmal zur den Vorreitern gehören. „Wichtig ist, dass sich die etablierten Branchen intensiv mit dem Potenzial der Blockchain beschäftigen und mögliche Anwendungsfälle systematisch prüfen“, so Mustafa Cavus. Die Studie zeigt, dass unter Finanzdienstleistern bereits viel Blockchain-Know-how existiert und aufgebaut wird: 89 Prozent der Befragten sind mit dem Grundprinzip vertraut. 49 Prozent geben an, bereits mit einer Blockchain-Plattform gearbeitet zu haben, zehn Prozentpunkte mehr als Durchschnitt der insgesamt Befragten.
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Link zum Managementkompass Blockchain

Link zur Potenzialanalyse Blockchain

Über die Studie:

Für die „Potenzialanalyse Blockchain“ wurden im Auftrag von Sopra Steria Consulting im Juli und August 2017 mehr als 200 (n=204) Geschäftsführer, Vorstände, Führungskräfte sowie fachliche Experten aus Unternehmen mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Die Befragten kommen aus Unternehmen der Branchen Banken, Versicherungen, sonstige Finanzdienstleister, Energieversorger, Automotive und sonstiges verarbeitendes Gewerbe, Telekommunikation und Medien sowie Öffentliche Verwaltung.

Fintech-Studie: Das Wachstum hält an (Studie & Infografik)

Das Wachstum der deutschen Fintech-Szene hält an: 699 Start-ups aus dem Finanzbereich sind derzeit in der Bundesrepublik beheimatet. Das ist ein Plus von 32 Prozent seit 2015. 579 Millionen Euro konnten diese Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres einsammeln. Damit liegt die Höhe des Venture Capitals bereits jetzt fast auf dem Niveau des gesamten Vorjahres (624 Millionen Euro). Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle comdirect Fintech-Studie.

Infografik Comdirekt Fintech Studie

Die Geschwindigkeit, in der die Fintech-Branche in Deutschland wächst, nimmt jedoch deutlich ab. So wurden in 2016 insgesamt 141 Start-ups gegründet – das sind fast drei neue Start-ups pro Woche. Im Jahr davor waren es mit 170 noch deutlich mehr. In 2017 wurden bisher 30 Neugründungen registriert. Die vergleichsweise geringe Zahl hängt damit zusammen, dass viele Gründer aus Angst vor Nachahmern erst spät an die Öffentlichkeit gehen. Eine endgültige Bewertung für 2017 ist daher erst im kommenden Jahr möglich. Dennoch zeichnet sich hier ein erneuter Rückgang ab: Im Vorjahr wurden zum selben Zeitpunkt bereits 49 Gründungen registriert.

Auch beim Investitionsvolumen verringert sich die Wachstumsgeschwindigkeit. Sowohl in 2014 als auch 2015 hat sich die Höhe der Venture-Capital-Investitionen gegenüber dem Vorjahr jeweils mindestens verdoppelt. In 2016 konnten sie immerhin noch um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. In 2017 wird der prozentuale Anstieg des Investitionsvolumens deutlich darunter bleiben. Auch der Anteil am Gesamtmarkt für Venture Capital hat leicht abgenommen. In 2017 wurde bislang jeder vierte Euro an Venture Capital in ein Fintech-Start-up investiert, im Vorjahr waren es noch 30 Prozent.

„Die große Fintech-Euphorie mag vorbei sein, ein Ende des Wachstums ist jedoch nicht in Sicht“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect. Für ihn ist diese Entwicklung ein Zeichen zunehmender Konsolidierung: „Der Fintech-Sektor in Deutschland normalisiert sich auf hohem Niveau.“

Beim Blick auf die einzelnen Sektoren ist der Bereich der Finanzierung nach wie vor dominierend: Die 154 Start-ups aus diesem Bereich konnten 2016 und 2017 insgesamt 28 Prozent des gesamten Fintech-Investitionsvolumens vereinnahmen. Zu diesem Sektor zählen neben Jungunternehmen aus den Bereichen Crowdfunding und Crowdinvesting auch Vergleichsplattformen. Der Bereich Proptech ist mit 178 Startups nominell zwar etwas größer, kommt aber nur auf 13 Prozent des gesamten Fintech-Venture-Capitals. Die höchste Dynamik verzeichnet der Bereich Insurtech. Hier gibt es aktuell 73 Start-ups, das ist ein Wachstum von 70 Prozent gegenüber 2015.

Hintergrund zur Studie
Basis der comdirect Fintech-Studie ist Barkow Consultings Fintech Money Map, Deutschlands führende und meistgenutzte Datenquelle für Fintech-Startups und Fintech-Venture Capital. Redaktionsschluss für die Analyse war Ende September 2017. Fintech-Venture Capital-Investitionen werden seit Anfang 2012 erfasst. Fintech-Startups und Gründungen wurden seit 2007 rückwirkend integriert. Die Daten der Fintech Money Map werden durch kontinuierliche Analyse und Auswertung aller relevanten Nachrichtenquellen und Datenbanken gewonnen. Barkow Consulting setzt dabei auf eine Kombination von Mensch (ca. 3/4 der relevanten Datenpunkte) und Maschine (ca. 1/4 der Datenpunkte). Die Fintech Money Map umfasst derzeit über 700 Startups. Aktuell sind mehr als 800 Risikokapital-Investoren und über 2 Milliarden Euro Venture Capital-Investitionen in der Datenbank erfasst.

Studie: Globalisierung der Finanzmärkte hat sich verändert

  • Globale Vernetzung der Finanzmärkte weiterhin stark, aber mit neuer Ausrichtung
  • Auslandsinvestitionen auf Vorkrisenniveau trotz Rückgang der grenzüberschreitenden Kapitalströme um 65% seit 2007
  • Banken vor allem im ausländischen Kreditgeschäft auf dem Rückzug
  • Auslandsforderungen deutscher Banken haben sich mehr als halbiert

Weltweit haben Banken immer weniger Interesse an Kreditgeschäften im Ausland und konzentrieren sich stattdessen auf ihre Heimmärkte. Die globalen grenzüberschreitenden Kapitalflüsse sind seit dem Höchststand 2007 um 65% zurückgegangen, von damals 12,4 Bio. auf 4,3 Bio. US-Dollar im Jahr 2016. In Deutschland sind die Auslandsforderungen im gleichen Zeitraum um 52% gesunken. Bei den größten deutschen Banken haben sich ausländische Vermögenswerte von 1,9 Bio. auf 0,8 Bio. Dollar mehr als halbiert. Anders sieht es bei den globalen Auslandsinvestitionen aus: Sie sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP) heute auf dem Niveau von 2007. Weltweit werden aktuell 27% aller Aktien von ausländischen Investoren gehalten, 2000 waren es nur 17%. Auf den Anleihemärkten liegt der Anteil internationaler Investoren sogar bei 31% (2000: 18%). Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des McKinsey Global Institute (MGI) mit dem Titel „The new dynamics of financial globalization“. Das MGI hat dafür die in- und ausländischen Kapitalströme in 100 Ländern untersucht.

Europäische und globale Banken auf dem Rückzug

Die Banken der Eurozone waren 2007 weltweit die am stärksten globalisierten Finanzinstitute. Seither sind ihre Auslandsforderungen um 45% zurückgegangen. Insgesamt stießen Banken zwischen 2007 und 2016 weltweit mindestens 2 Bio. US-Dollar an Vermögenswerten ab, davon über die Hälfte durch europäische Institute. Die Gründe für diesen Rückzug sind dem MGI zufolge vielfältig: neu bewertete Länderrisiken; die Einsicht, dass der Heimmarkt mit hohen Marktanteilen lukrativ ist; nationale Richtlinien, die die Vergabe von Krediten im Inland befördern; Kapital- und Liquiditätsvorgaben, die das komplexe Auslandgeschäft weniger attraktiv machen. „Die Banken ziehen sich aus Ländern und Märkten zurück, auf denen ihnen die Größe oder das Alleinstellungsmerkmal fehlt. Mehr als die Hälfte der Korrektur entfällt auf Interbankkredite und Schuldverschreibungen vor allem in der Eurozone. Diese waren vor der Krise exzessiv gewachsen. Es wurde sozusagen der Reset-Knopf gedrückt“, sagt Eckart Windhagen, Seniorpartner bei McKinsey in Frankfurt und Co-Autor der Studie. „Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.“

Deutschland in der Finanzverknüpfung auf Platz 5

Auch wenn die Finanzinstitute ihr Auslandsgeschäft stark zurückgefahren haben, bleiben die globalen Finanzmärkte eng verwoben, und es nehmen heute mehr Länder an den globalen Finanzströmen teil als jemals zuvor. Aus seiner Analyse der gesamten ausländischen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von 100 Ländern hat das MGI ein Financial Connectedness Ranking entwickelt. Es zeigt: Entwickelte Volkswirtschaften und internationale Finanzzentren sind weiterhin am stärksten ins globale Finanzsystem integriert. Deutschland belegt in diesem Ranking hinter den USA, Luxemburg, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden Rang 5 und steht für 6% der ausländischen Investitionen weltweit. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die Eurozone, 16% auf Großbritannien und 11% auf die USA. Global gesehen war Deutschland 2016 mit 8 Mrd. US-Dollar Investitionen im Ausland und Investitionen aus dem Ausland in Höhe von 6,6 Mrd. Dollar ein Nettozahler. Aufstrebende Volkswirtschaften holen jedoch auf: Sie halten mittlerweile 15% aller ausländischer Anlagewerte (2007: 8%). China stieg von Rang 15 2005 auf jetzt Rang 8. Die Auslandskredite, Direktinvestitionen und Aktien- und Bondportfolios Chinas zusammengenommen überstiegen 2016 zum ersten Mal die ausländischen Devisenreserven der chinesischen Zentralbank.

Mehr Stabilität im weltweiten Finanzsystem – Risiken bleiben

„Die Globalisierung der Finanzmärkte verspricht für die Zukunft mehr Stabilität, wesentliche Indikatoren haben sich verbessert“, so Windhagen. So ist der Anteil der wenig volatilen Direktinvestitionen und Eigenkapitalströme an den grenzüberschreitenden Finanzflüssen von 36% auf 69% gestiegen. Zudem sind die globalen Ungleichgewichte in den Leistungs-, Kapital- und Vermögensbilanzen von 2,5% des globalen BIP im Jahr 2007 auf 1,7% 2016 zurückgegangen. Die Studie zeigt auch: Heute tragen mehr Länder zur Allokation von Kapital bei als 2007. Damals hatten die USA noch 67% des globalen Kapitals absorbiert, heute hat sich dieser Anteil halbiert. Aufstrebende Volkswirtschaften sind dagegen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder zu Nettoempfänger der globalen Kapitalströme geworden.

„Die Risiken sind heute vorwiegend im ausländischen Kreditgeschäft zu orten. Dessen Volatilität kann große Auswirkungen auf Volkswirtschaften und Wechselkurse haben“, beschreibt Windhagen die aktuelle Entwicklung. Weitere Risiken lägen in den stark erhitzten Aktienmärkten sowie im Aufstieg von neuen Finanzzentren, denen es zum Teil an Transparenz mangele. „Neue digitale Plattformen, die Blockchain-Technologie und das Machine Learning können in Zukunft für grenzüberschreitende Kapitalströme neue Kanäle und Möglichkeiten eröffnen, bergen aber auch unbekannte und schwer einschätzbare Risiken.“

Moontec 17: Estland will zur weltweiten Drehscheibe für Blockchain werden

Im Dezember findet in der Hauptstadt Estlands die größte nordeuropäische Konferenz für Kryptowährung und Blockchain Moontec 17 statt. Mehr als 50 Branchenexperten aus aller Welt werden sich über ihre Erfahrungen bei der Entwicklung und Förderung Blockchain-basierter Produkte austauschen und den Einfluss solcher Technologien auf Geschäftsprozesse in allen möglichen Branchen diskutieren.

Monntec Estland

Dieses baltische Land, in dem nahezu jeder Prozess digitalisiert ist und die Startup-Szene floriert, geht jetzt noch einen Schritt weiter. Im Jahr 2000 erklärte Estland den Internetzugang zu einem Menschenrecht — auf gleicher Stufe wie Nahrung und Unterkunft. Estland war 2005 das erste Land der Welt, das elektronische Abstimmung einführte. Mit dem weltweiten Vormarsch der Blockchain-Technologie ist Estland ausgezeichnet aufgestellt, um Startup-Unternehmer nach Estland einzuladen, sich dort geschäftlich niederzulassen — selbst ohne Überschreiten der Grenze.

Im Oktober 2014 führte die estnische Regierung ihr e-Residency-Programm ein. Damit kann jeder Bürger der Welt eine von der Regierung ausgestellte digitale Identität beantragen, die Online-Gründung und -Betrieb einer Unternehmung unter estnischen Bestimmungen ermöglicht. „Digitale Identifikatoren gibt es bei uns schon seit 17 Jahren“, sagte der estnische Präsident Kersti Kaljulaid. „Die Menschen haben gelernt, dem System zu vertrauen.“ Auf Grundlage dieses Vertrauens sehen Estländer ein großes Zukunftspotenzial für Blockchain — eine Technologie, die die Offenheit des Internets mit der Sicherheit der Kryptografie kombiniert, damit wichtige Informationen schneller und sicherer verifiziert und Vertrauen aufgebaut werden können.

In Estland sind die bekanntesten Blockchain-Unternehmen der Welt angesiedelt. Beispiele sind Guardtime, heute das weltweit größte Blockchain-Plattformunternehmen nach Umsatz, Belegschaft und Kundenimplementierungen, oder auch Funderbeam, die erste auf Blockchain aufgesetzte, globale Startup-Handelsplattform. Im letzte Jahr hat Nasdaq angekündigt, dass die e-Residency-Plattform als Grundlage für einen Blockchain-basierten elektronischen Abstimmservice dienen wird, damit Aktionäre von Unternehmen, die an Nasdaqs Tallinner Börse gehandelt werden, bei Aktionärsversammlungen abstimmen können.

Bei der Konferenz werden Themen von E-Commerce bis KI behandelt. Redeauftritte haben Vertreter von Microsoft, Hashgraph, IBM, ConsenSys, Hyperledger, Reply, Change Bank, Nuggets, Funderbeam, Lykke, Paxful, Monetha und vielen anderen. Die vollständige Rednerliste finden Sie hier.

Für den zweiten Konferenztag ist ein Blockchain-Startup-Wettbewerb geplant — moonrise 2017. Startups können sich bis zum 17. November 2017 bewerben.

Moontec 17 findet am 4. und 5. Dezember 2017 in Tallin statt. Karten werden bereits verkauft. Mit Code EU2017 erhalten Sie einen Nachlass von 30 %. Klicken Sie hier, um sich Ihre Teilnahme an der größten nordeuropäischen Konferenz für Kryptowährung und Blockchain zu sichern.

Blockchain aus Sicht von Bankvorständen

Teil 3 und letzter Teil der Serie von  Beckmann & Partner: Blockchain – Die Chancen & Risiken für Banken

Was bedeutet die Blockchain für Bankvorstände?

Vorstände von Genossenschaftsbanken und Sparkassen sollten vorausschauen und sich mit der Thematik der Blockchain auseinander setzen. Schauen Sie, ob und wo ein Mehrwert mit dieser Technologie möglich ist. Verschließen Sie nicht die Augen vor den Möglichkeiten dieser Technologie, denn Andere laufen bereits mit geöffneten Augen vor Ihnen.

Auch die IT-Dienstleister der Banken wie zum Beispiel die Finanz Informatik oder die DZ Bank haben sich dieser Thematik schon angenommen.[1] Hier sollten sich Dienstleister und Bank zu einem gemeinsamen Dialog treffen, um die Entwicklung dieser Technik und ihres möglichen Mehrwertes zu beobachten und um den Aufsprung auf den Fahrt aufnehmenden Zug nicht zu verpassen. Eine Abhängigkeit von Vorreitern auf dem Gebiet könnte sehr teuer für Banken und deren Dienstleister werden. Eine Investition an der richtigen Stelle vermeidet die Kostenkeule.

Wieso kommen neue Geschäftsmodelle und Ideen überwiegend von FinTechs und nicht von den etablierten bzw. alteingesessenen Organisationen (Sparkassen und Genossenschaftsbanken)? Haben sich diese Organisationen zu lange auf ihrem Jahrzehnte lang funktionierendem Geschäftsmodell ausgeruht und somit den Blick für Innovationen verloren?

Was bedeutet Blockchain für unsere Kunden?

Die Finanz Informatik und die DZ Bank haben schon begonnen, sich mit der Blockchain-Thematik auseinander zu setzen. Aber auch hier müssen die Zentralinstitute wie zum Beispiel die Finanz Informatik oder die DZ Bank schneller sein. Die Zentralinstitute müssten die Vorreiter bei Innovationen für ihre Kunden sein. Sie verfügen oftmals über besseres technisches Know-how und bessere Voraussetzungen, Innovationen voran zu treiben und zu entwickeln.

Große Organisationen wie z. B. die Sparkassenorganisation oder die Organisation der Genossenschaftsbanken sollten agiler in der Entscheidungsfindung werden, um hier dem sich schnell entwickelten Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Wir empfehlen folglich einen Dialog mit Ihren Kunden sowie eine Vereinfachung in der Entscheidungsfindung, um so gemeinsam erfolgreiche Innovationen zu entwickeln.

Diese Empfehlung lässt sich eins zu eins auf die Beachtung der Blockchaintechnologie übertragen. Bleiben Sie hier nicht untätig sondern gehen Sie mit Ihren Kunden in den Dialog.

Kooperationen mit FinTechs – eine Lösung?

Die Blockchaintechnologie ist sehr komplex und eine Umsetzung bestehender Prozesse in einen Blockchainprozess ist sehr aufwendig und teuer. Ist die selbstständige Umsetzung nicht machbar, sollten Sie sich überlegen, wann, wo und mit welchem Partner man kooperieren kann.

Fazit

Die Blockchaintechnologie hat durchaus das Potenzial, Prozesse zu verschlanken. Die dadurch entstehende Kosten- und Zeiteinsparung könnte von Banken genutzt werden, um den Wegfall der Ertragsquellen aufgrund der Niedringzinsphase auszugleichen.

Vorstände von Banken sowie die Dienstleister der Banken müssen sich dieser Thematik annehmen. Wer hier still steht, wird in Zukunft das Nachsehen haben.

Speziell die großen Organisationen, wie zum Beispiel die Gemeinschaft der Genossenschaftsbanken und die Sparkassenorganisation, neigen dazu, schwerfällig und langsam zu sein, wenn es um Veränderungen geht. Die Zeit, in der man sich diese Schwerfälligkeit noch leisten konnte ist nun jedoch vorbei. FinTechs und ihre innovativen Ideen sprießen wie Pilze aus dem Boden und so müssen „Alteingesessene“ nun auch einen Gang höher schalten, um den Innovationen nicht nur winkend hinterher zu schauen.

Die Banken müssen mit ihren Rechenzentren eine gemeinsame Diskussionsbasis zum Thema Blockchain finden. Bestehende Kernprobleme dieser Technik wie zum Beispiel das Performanceproblem und auch noch zu klärende rechtliche und regulatorische Aspekte müssen gelöst beziehungsweise geklärt werden.

„Die Blockchaintechnologie ist eine Basis für Innovationen, deren Wert sich noch herausstellen wird.“, sagt das t3n Magazin. [2] Dem schließen wir uns an. Auch wenn sich die Technologie noch am Anfang ihrer Entstehungsgeschichte befindet und noch viel geklärt werden muss, sehen wir in dieser Technologie Zukunftspotenzial.

Wir als Beratungsmanufaktur beobachten die Entwicklungen auf diesem Gebiet und versuchen Kontakt zu Vorreitern aufzunehmen, um für die Zukunft gerüstet zu sein – für uns und für unsere Kunden.

Quellen und Verweise:

[1] https://aboutfintech.de/fintech-event-fi-forum-2016/

[2] http://t3n.de/news/blockchain-588923/

Blockchain – Nur ein Hype oder Technologie für einen Umbruch in der Finanzbranche?

Teil 2 der Serie von  Beckmann & Partner: Blockchain – Die Chancen & Risiken für Banken

Chance zur Vereinfachung von Prozessen – Beispiel Kreditsachbearbeitung

Wenn ein Katasteramt oder auch das Grundbuch über eine Blockchain abzubilden ist, sehen wir hier auch eine Chance für Banken: Sie könnten mit der Blockchain ihre Prozesse in der Kreditsachbearbeitung vereinfachen und somit Zeit und Geld zu sparen.

Zum Beispiel bei der Abwicklung einer Hausfinanzierung, hier ohne Blockchaintechnologie dargestellt:

Wohnbaufinanzierung mit Blockchain

Abbildung: Prozesse einer Hausfinanzierung ohne Blockchaintechnologie

Warum sind diese Prozesse so komplex? Die Antwort hierauf liegt zum einen in der deutschen Gesetzgebung. Zum anderen kann man diese Frage auch relativ einfach mit simplen Gegenfragen beantworten:

  • Würden Sie als Käufer des Objektes die Zahlung des Kaufpreises avisieren, ohne zu wissen ob ein Eigentümerwechsel im Grundbuch zu Ihren Gunsten sichergestellt ist?
  • Würden Sie als Verkäufer des Objektes einer Eigentumsumschreibung im Grundbuch zustimmen ohne sicher zu sein, dass die Zahlung des Kaufpreises bereits avisiert ist?

Die beiden genannten Fragen würde jeder mit einem klaren „Nein“ beantworten. Und warum? Bei gewissen Geschäften reicht uns das Wort des Gegenübers nicht aus. Wir können nicht in den Kopf des Anderen schauen und erhalten so keine Transparenz seiner Gedanken bezüglich des abzuwickelnden Geschäfts. Unser Gegenüber kann uns viel erzählen, aber wenn es dann an den Abschluss des Geschäfts geht, kann er uns auch „über das Ohr hauen“.

Um dies zu vermeiden und um nicht „über das Ohr gehauen“ zu werden, bedienen wir uns bei bedeutenden Geschäften der Hilfe von Intermediären (Vermittlern). In diesem Beispiel wäre unser Intermediär ein Notar, hier dann ein Finanzintermediär, der für Transparenz in den Geschäftshandlungen beider Vertragsparteien sorgt und somit Vertrauen auf beiden Seiten schafft. Er steht für Sicherheit vor Betrug oder Manipulation und er schafft Vertrauen beider Vertragspartner hinsichtlich gegenseitiger Vertragserfüllungen.

Die Blockchaintechnologie könnte, falls sie funktionsfähig und über die entsprechenden Schnittstellen verfügt, diese Funktion des Notars (Finanzintermediär) übernehmen.

Wäre es möglich, die Prozesse des Kataster- sowie des Grundbuchamtes mit Hilfe einer Blockchain abzubilden, so könnte sich der oben genannte Vorgang, hypothetisch betrachtet, wie folgt verändern:

Wohnbaufinanzierung mit Blockchain

Abbildung: Prozesse einer Hausfinanzierung mit der Blockchaintechnologie

Die Prozesse würden sich demnach verschlanken. Mit der neu gewonnenen Zeit könnte die Bank zum Beispiel den Durchsatz an Finanzierungen erhöhen.

Blockchain als Ersatz für Banken und andere Finanzintermediäre?

Ob Finanzintermediäre durch diese neue Technologie überflüssig werden, steht derzeit noch in den Sternen. Fakt ist, dass der Notar und das Grundbuchamt in unserem Beispiel, bei dem oben beschriebenen funktionsfähigen Blockchainprozess, ihre Aufgaben des Intermediärs verlieren würden.

Finanzintermediäre aller Art, aber vor allem Banken und deren Dienstleister müssen sich die Frage stellen, wie sie sich in Zukunft aufstellen, um nicht überflüssig zu werden. Es gilt, rechtzeitig die eigene Positionierung am Markt zu sichern.

Es kann angenommen werden, dass sich Banken und andere Finanzintermediäre um geschlossene Blockchain-Systemen kümmern werden. [1]

Das bedeutet überspitzt gesagt, dass Banken und andere Finanzintermediäre jeweils in sich geschlossene Blockchainsysteme entwickeln und somit derjenige den besten Nutzen aus der Technologie ziehen kann, der die erfolgreichste Entwicklungsabteilung für diese Technologie besitzt. Haben Banken oder andere Finanzintermediäre Erfolg mit der Entwicklung ihrer eigenen geschlossenen Blockchaintechnologie und verkaufen ihre Anwendungen dann auch noch an andere Marktteilnehmer, führt dies wiederrum nur zu einer Umverteilung der Finanzintermediäre, anstatt diese komplett überflüssig zu machen.

Vor- und Nachteile

Man kann davon ausgehen, dass durch diese Technologie folgende Vorteile entstehen können:

  • Datenverlust wird auf ein Äußerstes minimiert (Verlust eines Servers ist keine essentielle Bedrohung, da sämtliche Informationen bei Teilnehmern der Blockchain verteilt sind)
  • Höhere Transparenz
  • Verschlankung von Prozessen (z. B. oben erwähnte Kreditprozesse) und damit Zeit- und Kosteneinsparung
  • Verringerung von Manipulationsmöglichkeiten → Hacker müssen mehr als 50 % des Netzwerkes innehaben, um es manipulieren zu können. [2]

Kosteneinsparungen könnten genutzt werden, um wegbrechende Ertragspotenziale aufgrund der Niedrigzinsphase aufzufangen. Somit haben die Banken die Chance für Ihre Kunden etwas Positives zu tun und auf die Einführung unbeliebter Gebührenmodelle verzichten zu können.

Die Blockchaintechnologie kann also durchaus ein zukunftsträchtiges Werkzeug für den momentan unrund laufenden Niedrigzinsmotor sein.

Diesen Vorteilen stehen jedoch unter anderem folgende Nachteile gegenüber:

  • Die Entwicklung dieser Technologie ist mit sehr hohem initialen Aufwand verbunden.
  • Hohe Prozessumstellungskosten.
  • Abnahme der Transaktionsgeschwindigkeit mit Wachstum der Blockchain (BitCoin-Anwendung = ca. 7 Transaktionen/Sekunde versus VISA = ca. 1700 Transaktionen/Sekunde).[3]
  • (Noch) Fehlende Regulatorik, sowohl aus rechtlicher als auch aus bankenregulatorischer Sicht
  • Keine 100prozentige Sicherheit → Überfall auf Blockchain-basierte Organisation „The DAO“ und Entwendung von über 50 Millionen Dollar.[4]

Die hier noch fehlende Bankenregulierung behindert oftmals die Entwicklung innovativer Ideen. So hatte ein Berliner Startup für Mikrozahlungen auf Blockchainbasis deutliche Schwierigkeiten, überhaupt ein Konto bei einem deutschen Geldinstitut zu bekommen.[5]

Die Bankenregulatorik der BaFin muss sich unserer Meinung nach ebenfalls dem raschen Fortschreiten der technologischen Entwicklungen und ihrer Auswirkungen anpassen. Banken müssen sich voll auf Innovationen stürzen können, ohne ewig den Gesetzen hinterherlaufen zu müssen. Eine gemeinsame Regulierung ist in der heutigen schnelllebigen Zeit deutlich flexibler, als die Regulierung nur aus einer Richtung. Ein Dialog zwischen Banken und BaFin ist hier wünschenswert.

Beckmann & Partner

Quellen und Verweise:

[1] http://www.storage-insider.de/ntt-security-stellt-blockchain-thesen-auf-den-pruefstand-a-598564/

[2] https://www.it-finanzmagazin.de/gar-kein-mysterium-blockchain-verstaendlich-erklaert-27960/

[3] http://www.focus.de/finanzen/experten/diw/finanzen-blockchain-revolution-der-finanzwelt_id_5781212.html

[4] http://www.focus.de/finanzen/experten/diw/finanzen-blockchain-revolution-der-finanzwelt_id_5781212.html

[5] http://digitalpresent.tagesspiegel.de/die-kettenreaktion

Blockchain – Nur ein Hype oder Technologie für einen Umbruch in der Finanzbranche?

Teil 1 der Serie von  Beckmann & Partner: Blockchain in den Medien und erste Beispiele für den Einsatz

 

Das Thema rund um die Blockchaintechnologie beherrscht derzeit die Fachpresse wie kaum ein anderes. Als Beratungsmanufaktur in der Finanzbranche ist es unser Anspruch, unsere Kunden bestmöglich zu beraten. Hierunter verstehen wir auch die Beobachtung der technischen Entwicklungen in der Finanzbranche. Könnte die Blockchaintechnologie auch für unsere Kunden von Interesse sein? Um dies eruieren zu können, haben wir uns dieser viel diskutierten Thematik angenommen.

Eines ist vorwegzunehmen: Es ist bereits ein regelrechter Hype um diese Technologie entstanden, auch wenn ein produktiver Einsatz bisher eher der Einzelfall ist. Hier kann man z. B. das Konsortium Hyperledger nennen, welches einen wesentlichen Teil ihres Softwareangebots die Testphase bereits verlassen hat und vereinzelt angewandt werden kann. Trotz dessen läuft die Entwicklung in diesem Bereich auf Hochtouren und es herrscht die Angst etwas in diesem Bereich zu versäumen. Die breite Anwendung wird laut Expertenmeinungen noch mindestens fünf bis zehn Jahre dauern. Dies könnte bei der momentanen Entwicklungsgeschwindigkeit aber auch durchaus schneller gehen. Bisher gibt es auf breiter Basis nur wenige funktionierende Implementierungen der Blockchaintechnologie: Zum Beispiel BitCoin und Ethereum. Um weitere Anwendungsmöglichkeiten zu finden, wird derzeit nach weiteren möglichen Anwendungsgebieten geforscht. Laut Bloomberg gibt es bisher etwa 500 Unternehmen, die erste Pilotprojekte an den Start gebracht haben

Blockchain – was steckt dahinter?

Transaktionen in einer Blockchain können jede Art von Information sein und sind nicht auf finanzielle Transaktionen festgelegt. Informationen, die in einem Block zusammengefasst sind, werden durch das sogenannte „Mining“ verifiziert und versiegelt. Einmal verifiziert, sind die in dem Block enthaltenen Informationen unveränderlich und für jeden sichtbar.

Mit Hilfe der sogenannten Blockchain ist es folglich möglich, Transaktionen zwischen Parteien dezentral und transparent in einem Protokoll – eine Art riesige „Datenbank“ – festzuhalten. Die Blockchain ist folglich eine Datenbank, welche über ein Netzwerk aus Teilnehmern verteilt ist.

Jeder Teilnehmer dieser Blockchain hat die gesamte Blockchain auf dem eigenen Computer gespeichert und diese wird mit jeder neuen Transaktion aktualisiert. So ist jeder Teilnehmer immer vollumfänglich über sämtliche Transaktionen informiert.

Bildlich gesprochen: Die Blockchain ist eine Kette, deren Glieder untrennbar miteinander verbunden sind. Jedes dieser Glieder enthält Informationen über die getätigten Transaktionen. Neue Transaktionen werden – nach einstimmiger Überprüfung – als neues Glied an die Kette angefügt. Teilnehmer und somit Inhaber der Blockchain können metaphorisch gesehen jederzeit an der Kette entlang gehen und sich jedes einzelne Glied und somit die Informationen über sämtliche Transaktionen anschauen. Folglich verfügt jeder Inhaber der Blockchain über die gleiche Informationslage.

Blockchain im Einsatz – Beispiele und mögliche Folgen

Im Bankenbereich gibt es vereinzelt große Konsortien , die sich in Thinktanks zusammenfinden und versuchen, die Technik salonfähig zu machen. Ein solches Konsortium besteht zum Beispiel aus den sieben Großbanken Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und UniCredit. Dieses Konsortium versucht derzeit eine gemeinsame Blockchain-Plattform zu entwickeln. Ziel hierbei ist, inländische sowie grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen für kleine und mittelständische Unternehmen zu vereinfachen.

Ein anderes Beispiel für ein Pilotprojekt liefert die französische Großbank BNP-Paribas. Sie hat es mit zwei Unternehmenskunden erstmals geschafft, grenzübergreifende Zahlungen innerhalb nur weniger Minuten mittels Blockchaintechnologie abzuwickeln. BNP-Paribas ist davon überzeugt, dass diese Technologie Verzögerungen, unerwartete Gebühren und Durchführungsfehler minimieren kann.

Zum Vergleich: Eine Sparkasse benötigt alleine schon für eine Inlandsüberweisung einen Bankarbeitstag. Hat die Überweisung die Verarbeitung durchlaufen, darf der Geldübertrag maximal 24 Stunden dauern. Sichergestellt ist eine taggleiche Verrechnung am Beispiel einer Sparkasse nur, wenn die Kunden eine kostenpflichtige Blitzüberweisung am Schalter oder eine kostenpflichtige „Euro-Expressüberweisung online“ (bis 16 Uhr) durchführen. Gesprochen wird hier dann jedoch immer noch von einer Inlandszahlung. Unterstellt man BNP-Paribas eine erfolgreiche Implementierung der Technik auch für den inländischen Zahlungsverkehr, besitzt die Bank einen deutlichen Vorteil bezüglich der Zahlungsabwicklungen gegenüber der beispielhaft erwähnten Sparkasse.

Würde eine breite Anwendungsmöglichkeit der Blockchaintechnologie im Bereich des Geldtransfers (hier im Beispiel eine grenzüberschreitende Zahlung) zum Tragen kommen, müssten sich die Mitbewerber der BNP Paribas in diesem Bereich etwas einfallen lassen, um konkurrenzfähig bleiben zu können.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit für Banken könnte die Blockchaintechnologie im Bereich der Kreditsachbearbeitung sein. So hat beispielsweise ein Fintechunternehmen mit der Credit Suisse ein Projekt im Bereich der Konsortialkredite erfolgreich getestet. Ziel ist bei der Weiterentwicklung dieses Projekts nun, einen Konsortialkredit von der Strukturierung bis hin zur Auszahlung über die Blockchain laufen zu lassen.

Daimler und die LBBW haben ebenfalls erfolgreich ein Pilotprojekt durchgeführt, welches die Abwicklung eines Schuldscheindarlehens über die Blockchaintechnologie generiert.

Auch in Bereichen außerhalb der Finanzwelt gibt es bereits ernstzunehmende Blockchain-Entwicklungen. So hat Schweden im März 2017 damit begonnen, ein auf Blockchaintechnologie basierendes Katasteramt zu testen. Seit Juli 2017 nutzt Schweden die Technologie offiziell für Grundbucheintragungen.

Das gerade genannte Beispiel zeigt, dass die Blockchain-Technologie das Potenzial haben könnte, ein alternatives „Katasteramt“ und auch ein alternatives „Grundbuch“ zu werden. Ist eine Funktionsfähigkeit in diesem Bereich auf Dauer gewährleistet, könnte dies ebenfalls eine ernstzunehmende Entwicklung für Banken sein.

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