Erträge im Firmenkundengeschäft der Banken nahe Zehnjahrestief

  • Trotz steigender Kreditnachfrage verharren Erträge und Gewinne im klassischen Firmenkundengeschäft der Banken auf dem niedrigsten Niveau seit 2009
  • Potenziale insbesondere im Cross-Selling von Kapitalmarkt- und Absicherungsprodukten werden nicht ausgeschöpft
  • Extreme Wettbewerbsintensität belastet Kredit- und Provisionsgeschäft
  • Kreditmarge fällt mit 1,2 Prozent auf historischen Tiefststand
  • Eigenkapitalrentabilität vor Steuern bleibt mit 11 Prozent stabil

Die deutsche Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, viele Unternehmen haben expandiert – und dennoch sind hierzulande die Erträge und Gewinne der Banken im Firmenkundengeschäft zuletzt immer weiter zurückgegangen. So ist im ersten Halbjahr 2018 der Bain-Corporate-Banking-Index bei den Erträgen noch einmal gesunken und liegt nun sogar unter dem Wert des Finanzkrisenjahrs 2009. Der Profitabilitätsindex verharrt hingegen auf einem sehr niedrigen Niveau. „Die Banken heizen mit ambitionierten Wachstumsplänen den Wettbewerb immer mehr an“, erklärt Bain-Partner Dr. Christian Graf. „Zudem werden vorhandene Potenziale insbesondere im Cross-Selling nicht vollumfassend genutzt.“

190130_bain-pm_corporate-banking-index_h1-2018_abb1_ertrag-profitabilitat_vf

Immer mehr Kredite mit immer weniger Marge

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Brot- und Buttergeschäft der Banken, den Firmenkrediten. Seit nunmehr fünf Jahren steigt das Kreditvolumen unaufhörlich und erreichte im ersten Halbjahr 2018 mit 1,12 Billionen Euro einen neuen Höchststand. Insbesondere Sparkassen und private Kreditbanken legten im vergangenen Jahr leicht zu, hingegen ist der Marktanteil der Genossenschaftsbanken geringfügig zurückgegangen. Über alle Institutsgruppen hinweg erweisen sich Kredite an Mittelständler mit einem Umsatz von jährlich 25 bis 250 Millionen Euro als entscheidender Treiber.

Trotz wachsender Kreditvolumina sind Zinsüberschuss und Kreditmarge branchenweit rückläufig. Die Kreditmarge fiel im ersten Halbjahr 2018 mit 1,2 Prozent auf einen historischen Tiefststand. Zwar belasten auch die anhaltenden Niedrigzinsen und zusätzliche Kosten für Regulierung und Digitalisierung das Kreditgeschäft. Doch nach Überzeugung von Bain-Partner Dr. Jan-Alexander Huber ist ein guter Teil der Ertrags- und Gewinnschwäche hausgemacht: „Einige Banken unterminieren mit ihrem aggressiven Verhalten die Basis des Corporate-Bankings in Deutschland. Hinzu kommt, dass manche Institute die Bedürfnisse ihrer Kernkunden noch immer nicht richtig kennen.“ Das trifft auch den langjährigen Hoffnungsträger, das Provisionsgeschäft. Dort schwächt in jüngster Zeit zudem die verhaltene Nachfrage nach Kapitalmarkt- und Absicherungsprodukten die Erträge.

Restrukturierungsprogramme sorgen für Entlastung

Auf der Kostenseite gibt es dagegen Fortschritte. Im ersten Halbjahr 2018 wurde die Zunahme des Verwaltungsaufwands gestoppt, in der Folge stabilisierte sich die Cost-Income-Ratio. Hier zeitigen die laufenden Restrukturierungsprogramme sichbare Erfolge. Die Einsparungen kompensieren die steigenden Aufwendungen für Zukunftsprojekte insbesondere im Zuge der Digitalisierung.

190130_bain-pm_corporate-banking-index_h1-2018_abb2_cir_vf

Auch die Kosten für die Kreditrisikovorsorge bewegen sich nach einem Anstieg im zweiten Halbjahr 2017 wieder unterhalb der langjährigen Durchschnittswerte. Dieser Rückgang hat dazu beigetragen, dass sich die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern im ersten Halbjahr 2018 mit 11 Prozent oberhalb der Eigenkapitalkosten stabilisieren konnte. Branchenkenner Huber sieht jedoch keinen Grund zur Entwarnung: „Der langjährige Aufschwung in Deutschland nähert sich dem Ende. Damit steigt die Notwendigkeit, Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite zu treffen. Das wiederum wird die Rentabilität des Corporate-Bankings schmälern.“

Verbesserungspotenzial ausschöpfen

Die von Bain Ende 2018 veröffentlichte Studie „Corporate-Banking: Das Ende der Wachstumsillusionen“ zeigt, wie Banken ihr Firmenkundengeschäft krisenfest aufstellen können. Zu den wichtigsten Stellhebeln zählen demnach ein strafferes Produktportfolio, die Digitalisierung sämtlicher Standardprozesse sowie ein systematisch gesteuerter Vertrieb. Noch liegt in diesen Themen erhebliches Verbesserungspotenzial. „Banken, die ihre Möglichkeiten hier ausschöpfen, können durchaus ambitionierte Wachstumsziele erreichen“, so Bain-Partner Graf. „Sie müssen ihre Corporate-Banking-Strategie mittel- und langfristig denken. Kurzfristig einfach an der Preisschraube zu drehen genügt nicht.“

Der Bain-Corporate-Banking-Index auf einen Blick

Der halbjährlich erhobene Bain-Corporate-Banking-Index basiert auf veröffentlichten Daten führender deutscher Banken. Das Panel deckt rund die Hälfte der Bilanzsumme der 100 größten in Deutschland tätigen Banken ab und konzentriert sich auf Finanzinstitute mit einem Schwerpunkt im Corporate-Banking und einer entsprechenden Segmentberichterstattung. Bei der erstmaligen Erstellung erfasste Bain für die Jahre 2007 bis 2012 zahlreiche Rohdaten jeder einzelnen Bank, darunter die Erträge (Zins- und Provisionsüberschuss), die Kostenstruktur (Verwaltungsaufwand), die Kreditrisikovorsorge, die Profitabilität (Ergebnis vor Steuern), das Eigenkapital und das Kreditvolumen. Die Wahl des Ausgangsjahrs 2007 ermöglicht Vergleiche zwischen dem letzten Jahr vor Ausbruch der globalen Finanzkrise und der aktuellen Situation.

Sämtliche Rohdaten untersuchen die Bain-Experten auf Einmaleffekte, die sich beispielsweise aus Übernahmen oder Änderungen im Reporting ergeben, und bereinigen die Datenreihen entsprechend. Danach erfolgt eine Aggregation der Daten pro Bank, bevor sie mit einem Gewicht von maximal 20 Prozent in den Gesamtindex einfließen. Diese Limitierung des Einflusses einzelner Banken stellt sicher, dass Sonderentwicklungen großer Finanzinstitute nicht den Index im Zeitverlauf verzerren. Vor Veröffentlichung werden die Daten Robustheitschecks anhand vorhandener Studien und weitergehenden Analysen von Bain unterzogen und zum Teil um weitere Datenpunkte ergänzt.

Bain veröffentlicht den Corporate-Banking-Index in zwei Ausprägungen: den Bain-Corporate-Banking-Ertragsindex (CBE) und den Bain-Corporate-Banking-Profitabilitätsindex (CBP). Beide geben im Zeitverlauf einen hervorragenden Überblick über die Geschäftsentwicklung im Corporate-Banking und lassen sich als Benchmark für jedes einzelne Finanzinstitut nutzen.

Werbeanzeigen

Trotz Zinstief: 3,1 Mrd. Euro hätten Kreditnehmer 2018 an Zinsen sparen können

  • Der Durchschnitts-Ratenkredit ist im Internet durchschnittlich 37 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt
  • Kreditzinsen unterscheiden sich immer stärker je nach Abschluss-Ort 
  • Kreditnehmer vertrauen Banken zu sehr

Verbraucher in Deutschland haben 2018 Ratenkredite im Wert von 105,67 Milliarden Euro aufgenommen (1). Wer seinen Kredit im Internet abschloss, zahlte im Schnitt 37,12 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. Die Ursache dafür sind stetig sinkende Zinsen von im Internet abgeschlossenen Krediten (2). In den letzten sechs Jahren profitierten Verbraucher nie zuvor mehr von einem Online-Kreditabschluss als 2018. Das zeigen Daten der Bundesbank, Schufa und des Kreditportals smava (https://www.smava.de/). Hätten alle Kreditnehmer im letzten Jahr ihren Kredit im Internet abgeschlossen, hätten sie insgesamt 3,1 Milliarden Euro sparen können. Das sind 0,9 Milliarden Euro (41,60 %) mehr als 2017 (3).

Kreditzinsen unterscheiden sich immer stärker je nach Abschluss-Ort

Der effektive Jahreszins von Ratenkrediten in Deutschland unterscheidet sich immer stärker – je nachdem, wo der Kredit abgeschlossen wird. Der Unterschied wird jedes Jahr größer, weil die Zinsen von im Internet abgeschlossenen Krediten stetig sinken. In den letzten sechs Jahren ist der durchschnittliche Zinssatz im Internet abgeschlossener Kredite um 41,24 Prozent auf 3,69 Prozent in 2018 gesunken (2). Im selben Zeitraum sind die Zinsen im Bundesdurchschnitt nur um 14,22 Prozent auf 5,85 Prozent gesunken (1). Allerdings ist der Abwärtstrend offensichtlich vorbei. Denn seit 2017 sind die Ratenkreditzinsen im Bundesdurchschnitt leicht gestiegen (+1,39 %) (1). Für Kreditnehmer heißt das: Sie zahlten 2018 im Internet 2,15 Prozentpunkte weniger Zinsen als im Bundesdurchschnitt. Setzt sich diese Entwicklung 2019 fort, werden Kreditnehmer noch mehr von einem Kreditabschluss im Internet profitieren.

Online-Kreditabschluss spart 409 Euro (37 %) pro Kredit

Der Zinsunterschied bewirkt Preisunterschiede. Am Beispiel des Durchschnitts-Ratenkredits wird deutlich, wie stark sie 2018 ausfielen. Laut Schufa beläuft sich der durchschnittliche Ratenkredit auf 9.367,40 Euro und eine Laufzeit von 46,78 Monaten (4). Im Bundesdurchschnitt zahlten Verbraucher im letzten Jahr 1.101,24 Euro Zinsen für diesen Kredit. Der im Internet abgeschlossene Durchschnitts-Ratenkredit kostete 692,42 Euro Zinsen. Das ist ein Preisunterschied von 408,82 Euro (37,12 %). Rechnet man diesen Preisunterschied pro Kredit hoch auf alle, laut Schufa, 7,7 Millionen neu abgeschlossenen Ratenkredite pro Jahr, dann wird deutlich (4): Hätten alle Kreditnehmer im letzten Jahr ihren Kredit im Internet abgeschlossen, hätten sie insgesamt 3,1 Milliarden Euro sparen können.

Kreditnehmer vertrauen Banken zu sehr

Die Mehrheit der Kreditinteressenten hat kaum ein Bewusstsein für die Zins- und damit verbundenen Preisunterschiede. Laut Schufa werden vor einem Kreditabschluss im Schnitt nur 2,1 Kreditangebote verglichen (5). Die Angebote der Banken werden von Kreditinteressenten viel zu selten hinterfragt. Ihnen sollte bewusst sein, dass Banken nicht beraten, sondern verkaufen. Sie sind nicht daran interessiert, ihren Kunden den günstigsten Kredit, sondern den eigenen Kredit zu verkaufen. Deshalb informieren sie ihre Kunden in der Regel nicht darüber, wie attraktiv ihre Konditionen im Vergleich zu denen anderer Banken sind. „Wer ausschließlich auf die Empfehlung einer einzelnen Bank vertraut, riskiert, zu viel für seinen Kredit zu zahlen“, sagt Alexander Artopé, Geschäftsführer des Kreditportals smava.

Kreditportale stärken Verbraucher

Gehen Kreditinteressenten lediglich zu einer Bank, erhalten sie in der Regel auch nur das Angebot dieser Bank. Nutzen sie stattdessen ein Kreditportal wie smava.de, erhalten sie nicht nur deutlich mehr Angebote, sondern auch Angebote verschiedener Banken. So erhalten sie einen Überblick, wie hoch die Zinssätze verschiedener Banken auf Basis ihrer individuellen Kreditwürdigkeit sind. Kreditinteressenten können so vergleichen und den für sich passenden Kredit auswählen. „Kreditportale sind ein gutes Beispiel dafür, wie Verbraucher durch Digitalunternehmen gestärkt werden. Wir geben Verbrauchern einen wesentlich größeren Überblick über die Angebote am Markt und schaffen damit Transparenz“, sagt Alexander Artopé.

Datenquellen

  • Die Berechnung der Zins- und Kostenunterschiede erfolgte auf Basis dieser Datenquellen:
  • (1) Deutsche Bundesbank: MFI Zinsstatistik (Stand: 01.02.2019); Effektivzinssätze & Neugeschäftsvolumina / Banken DE / Neugeschäft / Konsumentenkredite an private Haushalte
  • (2) smava GmbH: alle über das Kreditportal smava.de abgeschlossenen und ausgezahlten Ratenkredite (Stand: 01.02.2019)
  • (3) smava GmbH: http://ots.de/qjrYdK (Stand: 13.02.2018)
  • (4) SCHUFA Holding AG: Kredit Kompass (Ausgaben 2014, 2015, 2016, 2017, 2018); Mittelwerte für die Jahre 2013 – 2017
  • (5) SCHUFA Holding AG: Kredit Kompass (Ausgabe 2018)

Negative Kundenerfahrungen (CX) kosten Finanzinstitute jedes Jahr 10 Milliarden Dollar

Ein Report von Fenergo stellt fest, dass eins von drei Finanzinstituten Kunden aufgrund von ineffizienten oder langsamen Onboarding-Prozessen verloren haben

Fenergo hat heute die Ergebnisse seiner Reportreihe über Branchentrends bekanntgegeben, die feststellt, dass „schlechte Kundenerfahrungen“ Finanzinstitute 10 Milliarden US-Dollar (knapp 9 Milliarden Euro) pro Jahr kosten.

Der Report – der erste einer dreiteiligen Reihe – liefert Erkenntnisse von globalen Entscheidungsträgern innerhalb großer Finanzinstitute zu Kundenerfahrungen innerhalb des CLM, dem durchgängigen Prozess einer Kundenbeziehung. Der Bericht befasst sich mit der Notwendigkeit, das Kundenerlebnis zu verbessern und eine unternehmensweite Betrachtung von Kundendaten und Daten der Gegenpartei zu erhalten. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie Finanzorganisationen dazu angetrieben werden, ihre gesamt Customer Journey digital zu transformieren, vom ersten Berührungspunkt bis hin zu täglichen Handelsaktivitäten.

Einige Schwerpunkte des Branchentrendreports:

  • Eins von drei Finanzinstituten hat Kunden aufgrund von ineffizientem oder langsamem Onboarding verloren (36 %)
  • Die Verbesserung von Daten- und Dokumentenerfassung wird im gesamten Vorstand als kritischstes Geschäftsthema und Schmerzpunkt eingestuft (31 %), gegenüber der Erfüllung der wachsenden regulatorischen Anforderungen (19 %) und der Verbesserung der Datenverwaltung (18 %)
  • 81 % glauben, dass schlechte Datenverwaltung das Onboarding verlängert und Kundenerfahrungen negativ beeinflusst
  • 84 % glauben, dass die Kundenerfahrung während des Onboardingprozesses sich auf den Lebenszeitwert des Kunde auswirkt
  • Betrachtet man die Bankentypen, die einen Kunden oder potenziellen Neukunden infolge ineffektiver Onboarding-Prozesse verloren haben, führt Commercial Banking (42 %) gefolgt von Business Banking (37 %), Investmentbanking (37 %) und Corporate Banking (30 %).

„Dieser Report zeigt klar die Auswirkung, die Ineffektivität beim Kundenonboarding und Zögern bei der Digitalisierung von Prozessen auf die Kundenerfahrung haben, und wie sie die Finanzinstitute im Endeffekt unmittelbar beeinflussen. Mit Challenger-Banken, die das Kundenerlebnis unterbrechen, muss der effektive Umgang mit Kundendaten durch digitale Transformation durch Organisationen erreicht werden, wenn sie sich Wettbewerbsvorteile in der heutigen digitalen Ersten Welt sichern wollen,“ sagt Marc Murphy, der Vorstandsvorsitzende von Fenergo

„2019 wird das Jahr, in dem die Finanzindustrie sich der Herausforderung stellen muss, die gesamte Customer Journery durchgängig zu digitalisieren,“ sagt Greg Watson, globaler Vertriebsleiter, Fenergo. „Mittelstands- und Großunternehmen wollen innerhalb von Tagen eingeführt werden, nicht von Wochen, während Privatkunden erwarten, Konten in Minuten eröffnen zu können, nicht in Stunden. Kombiniert mit den globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es für Finanzinstitute wichtiger den je, ihren Kunden Werte zu liefern und sich von ihren Mitbewerbern zu differenzieren. Die Einführung einer digitalen CLM-Lösung ist auf dem Weg dahin unverzichtbar.“

Die drei Forschungsberichte stützen sich auf die Erkenntnisse einer von Fenergo in Auftrag gegebenen globalen Marktstudie. Die Studie befragte 250 Führungskräfte in Commercial, Business, Investment/Institutionellen und Coporate Banking Institutionen. Die Umfrageteilnehmer kamen aus Finanzinstituten verschiedener Größen von 0-500 Angestellten bis hin zu über 10.000 Angestellten, deren Haupttätigkeitsgebiet Großbritannien & Europa, Mittlerer Osten und Nordafrika, Asien-Pazifik und Nordamerika umfasst.

Blick auf das Bankenjahr 2019: Digitalisierung wird erwachsen

Banken und Sparkassen in Deutschland haben seit 2015 massiv in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und die digitale Transformation ihrer Organisation investiert. Dieses Niveau wird sich im neuen Jahr angesichts der abschwächenden Konjunktur nicht halten lassen. Vielmehr ist 2019 für die Institute das Jahr der Konsolidierung. Dabei geht es vor allem auch darum, liegen gebliebene Hausaufgaben zu erledigen, wie Marktanalysen von Cofinpro zeigen.

„Lediglich die Nachzügler unter den Instituten wie beispielsweise die Spezialbanken werden die Digitalisierung mit erheblichen Investitionen weiter vorantreiben und digitale Plattformen aufbauen“, sagt Gerald Prior, Vorstand der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro. „Alle anderen werden nicht zuletzt infolge einer zu erwartenden wirtschaftlichen Abschwächung ihre Budgets senken.“

Der Blick der Institute wandert stattdessen wieder stärker nach innen. So geht es beispielsweise darum, die Learnings aus den Pilotprojekten der vergangenen Jahre in die gesamte Organisation zu übertragen und dort nachhaltig zu verankern. Mittels Innovationslaboren, Kooperationen mit Fintechs, Ausgründungen sowie einer Vielzahl weiterer Aktivitäten wurde viel Wissen generiert, das nicht versanden darf, sondern in der Organisation breit verankert werden soll. „Ziel ist es, hier die Ernte einzufahren und von innen heraus agiler und schneller zu werden – im Sinne des Kunden. Dies erfordert eine immense Kraftanstrengung und ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Ausdauer statt Aktivismus ist dabei gefragt“, so Prior.

Auf der Agenda der CIOs stehen aber noch weitere zentrale Themen: Die Vielzahl an Digitalisierungs- und Regulierungsprojekten der vergangenen Jahre haben zu einer Insellandschaft geführt und lösen nun ganzheitliche Optimierungen der Prozesse aus. Es gilt dabei, etablierte, modernisierte und neue Geschäftsmodelle wieder unter Effizienzgesichtspunkten unter einen Hut zu bringen. „Die Zusammenführung von teilweise aus dem Ruder gelaufenen Prozesswelten ist zudem auch aus Compliance-Sicht zwingend erforderlich“, erklärt der Cofinpro-Vorstand, denn die Aufsicht schaut weiterhin kritisch auf die IT der Institute.

Hinzu kommen Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit, wie sie auch von den Regulierern eingefordert werden, um Risiken der stark wachsenden Onlinewelt oder auch aus Auslagerungen aktiv zu begegnen. Da gleichzeitig der Druck auf die Budgets erheblich zunimmt, wird das Jahr zu einem schwierigen Spagat für die IT-Abteilungen. „Wenn sie es schaffen, diese genannten Aufgaben professionell zu lösen, können sie in der Folge den Schwung bei der digitalen Transformation beibehalten“, sagt Prior.

Europäischer Bankenmarkt steht vor weiterer Zäsur und Konsolidierung – Europäische Banken konnten weder selbstgesetzte Ertragsziele noch erwartete Kosteneinsparungen erreichen (Studie)

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 operieren europäische Banken in einem herausfordernden Umfeld. BearingPoint beleuchtet seither regelmäßig die Herausforderungen, mit denen sich diese konfrontiert sehen. Die Erhebung, für die Daten von 122 europäischen Banken ausgewertet wurden, zeigt deutlich, dass sie in den letzten fünf Jahren weder die selbst gesteckten Ertragsziele noch die erwarteten Kosteneinsparungen erreichen konnten.

Niedrigzinsumfeld reicht als Begründung nicht aus

Für die Profitabilitätsprobleme europäischer Banken werden oftmals das Niedrigzinsumfeld und eine damit verbundene sinkende Zinsmarge verantwortlich gemacht. Ein durchgängiger Verfall der Marge lässt sich durch die Studie jedoch nicht bestätigen. Die Abwärtsbewegung der Zinsmarge ist vielmehr auf veränderte Risiko- und Wettbewerbsverhältnisse zurückzuführen. Zudem wirken sich niedrige Nominalzinsen nicht nur auf den Zinsertrag der Aktiva, sondern auch auf den Zinsaufwand der Passiva aus. Die Gegenüberstellung von Zinseinkommen und Zinsausgaben verdeutlicht, dass bei einem Abschlag auf die Zinseinnahmen von 17 Prozent die Zinsausgaben der europäischen Banken um 31 Prozent zurückgegangen sind. Somit bietet das Niedrigzinsumfeld alleine keine ausreichende Begründung für die geringe Performance.

Ungünstige Entwicklung der Betriebskosten und der Risikogewichteten Aktiva

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Verringerung der Risikoaktiva (RWA) nicht mit vergleichbar sinkenden Kosten einherging. So lässt sich bei nahezu jeder zweiten europäischen Bank eine ungünstige Entwicklung des Verhältnisses von Betriebskosten zu RWAs beobachten. Die Studie zeigt, dass es größeren Banken im Untersuchungszeitraum etwas besser gelungen ist, ihre Betriebskosten in den Griff zu bekommen, als kleinen und mittelgroßen Instituten.

„Dass die kompetitive Bankenbranche zurzeit stark unter Druck steht, ihre Kosten langfristig zu senken, ist nicht neu. Entscheidend ist, dass die Kostenreduktion vor allem vor dem Hintergrund steigender Regulierungskosten über eine weitreichende Digitalisierung und Automatisierung sowie notwendige Geschäftsmodellanpassungen erreicht werden muss. Nur so können nachhaltig Kosten gesenkt werden“, so Frank Hofele, Partner bei BearingPoint.

Finanzinstitute in Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen ihre Ziele hier noch schärfen: Eine regionale Betrachtung der Kennzahlen bestätigt, dass insbesondere in der DACH-Region noch keine nachhaltige Kostensenkung nachweisbar ist.

„Falls sich die Banken der notwendigen Industrialisierung nicht annehmen und die Digitalisierung weiterhin nur vorsichtig angehen, werden sie die benötigte Ertragskraft, die für eine Zukunftsfähigkeit notwendig ist, nicht nachhaltig sicherstellen können“, bestätigt Hofele.

Zur Methodik der Studie

Grundlage für die Studie ist eine interne Auswertung der Jahresabschlüsse von 122 europäischen Banken über den Zeitraum von 2013 und 2017 hinsichtlich Bilanzsumme und Regionen. Die Studie kann hier abgerufen werden…

Rohstoffeinkäufer befürchten steigende Preise durch Handelskriege

Protektionismus und Handelskonflikte wirken sich immer stärker auf den weltweiten Handel aus. Einkäufer befürchten nicht nur, dass Rohstoffe teurer werden, sondern auch, dass sie künftig nicht mehr die benötigten Mengen für ihr Unternehmen beschaffen können. Das ergibt eine Studie der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberatung INVERTO, an der über 110 Einkaufsverantwortliche teilnahmen.

Fast 90 Prozent der Studienteilnehmer erwarten, dass sich die aktuellen Auseinandersetzungen zu echten Handelskriegen ausweiten. Allerdings gehen sie davon aus, dass nicht die ganze Welt gleichermaßen betroffen sein wird, sondern nur bestimmte Materialien oder aber einzelne Länder. Doch auch angesichts begrenzter Konflikte rechnen gut 80 Prozent der Befragten mit Preissteigerungen für Rohstoffe und knapp 60 Prozent befürchten Versorgungsengpässe. Einkäufer für Eisen und Stahl, Aluminium sowie Kupfer nehmen die Risiken am stärksten wahr.

Lieferanten in anderen Beschaffungsmärkten und langfristige Preisfixierungen

Branchenübergreifend sehen die Studienteilnehmer den Kontaktaufbau zu neuen Lieferanten in alternativen Beschaffungsmärkten (60 Prozent), die Prüfung alternativer Rohstoffe (49 Prozent) oder die Absicherung der Bezugspreise durch langfristige Verträge (42 Prozent) als die besten Lösungen, um sich gegen Preisanstiege abzusichern. Tatsächlich genutzt werden diese Mittel aber nur in weitaus geringerem Umfang: 44 Prozent suchen neue Lieferanten, 26 Prozent testen neue Materialien, 35 Prozent verhandeln Verträge mit langer Laufzeit. Da auch Lieferanten mit steigenden Preisen rechnen, haben sich bei zwei Dritteln der Befragten die Laufzeiten von Preisgarantien verringert.

Rohstoffeinkäufer befürchten steigende Preise

Nur wenige Unternehmen sichern ihre Rohstoffeinkäufe mit Finanz-Hedging ab

Weil Rohstoffe immer Preisschwankungen unterliegen, ist Finanz-Hedging ein sinnvolles Mittel, um ungeplanten Steigerungen vorzubeugen. Jedoch verwenden nur 23 Prozent der befragten Unternehmen dieses Instrument. Die Mehrheit der Studienteilnehmer zeigt sich skeptisch: Fast ein Drittel hält Hedging für Spekulation, 27 Prozent scheuen den Aufwand, 44 Prozent sind der Meinung, für die von ihnen benötigten Rohstoffe gebe es keine Möglichkeit für Hedging. Tatsächlich stehen aber für über 90 Prozent der Rohstoffe, die von den Befragten als relevant für das eigene Unternehmen angegeben wurden, geeignete Hedging-Instrumente zur Verfügung. Gerade in den aktuell unsicheren Zeiten könnte Hedging für mehr Sicherheit beim Rohstoffeinkauf sorgen.

Herausforderungen im Rohstoffeinkauf haben sich stark gewandelt

Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Risiken, mit denen sich Entscheider konfrontiert sehen, stark verändert. So nennen nur 19 Prozent dieses Jahr rückläufige Absatzmengen als Gefahr für ihr Unternehmen – 2016 befürchteten dies noch 44 Prozent der Studienteilnehmer. Demgegenüber sorgten sich vor zwei Jahren nur 18 Prozent der Befragten, dass sie die benötigten Rohstoffe nicht beschaffen könnten, während es heute fast 60 Prozent sind. Steigende Preise und Versorgungssicherheit dominieren die Geschäftstätigkeit der befragten Akteure 2018. Hier zeigt sich, wie massiv Protektionismus und schwelende Konflikte bereits in das Wirtschaftsleben eingreifen.

Über die Rohstoffstudie

INVERTO befragte im Zeitraum von Juni bis August über 110 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie England. Mehr als die Hälfte von ihnen ist in Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten tätig, und zwar hauptsächlich im produzierenden Gewerbe, im Maschinenbau oder in der Prozessindustrie. Fast zwei Drittel der Befragten sind als Einkaufsverantwortliche oder strategische Einkäufer beschäftigt, 17 Prozent als Geschäftsführer oder Vorstände. INVERTO realisiert die Rohstoffstudie jährlich seit 2010.

Studie zum Firmenkundengeschäft der Banken in Deutschland: Das Ende der Wachstumsillusionen im Corporate-Banking

Erträge im Corporate-Banking steigen bis 2020 um rund 1 Prozent pro Jahr

  • Viele Banken planen mit Zuwächsen deutlich über Gesamtmarktwachstum
  • Seit langem herrscht harter Wettbewerb vor allem um mittelständische Unternehmen
  • Vollkostenrechnung für wesentliche Corporate-Banking-Produkte legt enorme Schwankungsbreite in der Profitabilität offen
  • Ertragslage in den einzelnen deutschen Bundesländern höchst unterschiedlich

Das Firmenkundengeschäft ist der Hoffnungsträger der Banken in Deutschland. Bis 2020 wollen viele Institute ihre Erträge deutlich steigern – und zwar auf einem Niveau, das klar über dem Gesamtmarktwachstum liegt. In ihrer Studie „Corporate-Banking: Das Ende der Wachstumsillusionen“ zeigt die internationale Managementberatung Bain & Company, dass diese Pläne nicht in jedem Fall aufgehen werden. Bis 2020, so die Prognose, wächst der Corporate-Banking-Markt im Durchschnitt um rund 1 Prozent pro Jahr auf dann rund 28 Milliarden Euro.

Bain-Studie zum Firmenkundengeschäft der Banken in Deutschland

Das Profitpotenzial wird nur langsam auf etwa 9,2 Milliarden Euro ansteigen, bei einer schwächeren Konjunktur ist sogar ein Einbruch auf rund 8 Milliarden Euro denkbar.

Margen im größten Geschäftsfeld Kredite liegen dicht am Zehnjahrestief

„Die goldenen Zeiten im Corporate-Banking sind vorerst vorbei“, erklärt Bain-Partner und Co-Autor Dr. Christian Graf. „Das liegt nicht nur an den dauerniedrigen Zinsen, der Regulierung und neuen digitalen Angeboten. Vielmehr heizen die Banken mit ihren Expansionsplänen den Wettbewerb selbst immer stärker an.“ Schon heute befinden sich die Margen im Kreditgeschäft nahe dem Zehnjahrestief. Dennoch bleiben Kredite das Brot- und-Butter-Geschäft im Corporate-Banking; je nach Kundensegment machen sie bis zu zwei Drittel der Erträge aus. Die Hoffnungsträger Transaction-Banking und Corporate Finance werden bis 2020 auf etwa ein Viertel des Corporate-Banking-Marktvolumens kommen.

Die Studie analysiert zudem die Ertragschancen nach Kundengruppen und Regionen. Das größte Potenzial bietet mit etwa 7,4 Milliarden Euro der gehobene Mittelstand, Unternehmen also mit einem Jahresumsatz von 25 bis 250 Millionen Euro. Auch deshalb bemühen sich die Banken um diese Kundengruppe wie um keine andere. Regional betrachtet werden die höchsten Erträge in den drei einwohnerstärksten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg erzielt.

Kurzfristige Kredite und Hypothekardarlehen sind Gewinnbringer

Erstmals untersuchte Bain darüber hinaus die Profitabilität der wichtigsten Produkte im Corporate-Banking. In die umfassende Vollkostenrechnung flossen neben den direkten auch alle indirekten Kosten ein, beispielsweise für Produktexperten oder Relationship-Manager. Die Unterschiede sind enorm: Zwischen der Profitabilität der gewinnträchtigsten Produkte, das sind kurzfristige Kredite und Hypothekardarlehen, und des schwächsten Produkts, der Betriebsmittelfinanzierung, liegen 23 Prozentpunkte. Während die Banken mit Krediten und Hypothekardarlehen im Durchschnitt eine Marge von 43 Prozent vor Kapitalkosten erzielen, sind es bei der Betriebsmittelfinanzierung nur 20 Prozent.

181105_bain-pm_corporate-banking_abb3_produktprofitabilitat_final

Noch gravierender sind die Unterschiede auf Einzelinstitutsebene. Auf mehr als 50 Prozentpunkte summiert sich die Differenz bei ausgewählten Produkten. So kommt die profitabelste Bank bei allen Produkten auf Margen von über 50 Prozent. Die Schlechtesten schaffen es dagegen gerade einmal, ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen – wenn überhaupt. Bei vereinzelten Produkten wie Cash Management rutschen die schwächsten Institute sogar in die Verlustzone.

Schlanke, digitale Prozesse ermöglichen höhere Gewinne

„Ertragswachstum setzt ein systematisches Vertriebsmanagement voraus, um den bestehenden Kundenstamm besser zu durchdringen und Neukunden zu gewinnen“, betont Bain-Partner und Co-Autor Dr. Jan-Alexander Huber. Ursächlich für die Unterschiede in der Produktprofitabilität ist das Kostenmanagement. Einige Banken erzielen mit schlanken, oft digitalen Prozessen hohe Gewinne, während andere noch mit alten Strukturen und manuellen Abläufen kämpfen. Da der harte Wettbewerb auch in den kommenden Jahren kaum Preiserhöhungen erlauben wird, gilt es Kosten und Produktportfolio weiter zu optimieren. „Noch immer bleiben viele Banken weit hinter ihren Möglichkeiten beispielsweise einer konsequenten Ende-zu-Ende-Prozessautomatisierung“, stellt Huber fest.

„Banken, die überdies ihr Frontend sehr gut mit der übrigen Organisation verzahnen und Abstimmungsprozesse automatisieren, können Entscheidungswege erheblich verkürzen und näher an ihre Kunden heranrücken“, ist Bain-Partner Graf überzeugt. „Ansonsten sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass es auch im Corporate-Banking in absehbarer Zeit keine hohen Ertrags- und Gewinnzuwächse geben wird.“

Über die Studie

Bain & Company hat in der vorliegenden Studie erstmals die Profitabilität der wichtigsten Produkte im Firmenkundengeschäft deutscher Banken unter Berücksichtigung aller Kosten ermittelt. Das Know-how floss auch in die Prognosen und Szenarien zur Entwicklung des Corporate-Banking in Deutschland bis zum Jahr 2020 ein. Zusätzliche Informationen lieferte der Corporate-Banking-Index von Bain, der halbjährlich veröffentlicht wird und auf den Daten rund der Hälfte der nach Bilanzsumme 100 größten Banken in Deutschland basiert.

Studie: Weckruf für Banken – Kundenloyalität nimmt immer weiter ab

Nur noch rund 40 Prozent der deutschen Bankkunden setzen auf lediglich ein Kreditinstitut, um ihre Bankgeschäfte abzuwickeln. Der Hausbankstatus ist gefährdet. Ein Wechsel der Hausbankbeziehung könnte Deutschen Banken innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 10 Milliarden Euro an Ertrag kosten, wie eine aktuelle Analyse von Oliver Wyman zeigt.

Vertrauen, eine enge Beziehung zum Bankberater sowie die Nähe zur nächsten Filiale haben lange Zeit das Verhältnis zwischen Privatkunde und Kreditinstitut bestimmt und den Begriff der „Hausbank“ geprägt. Eine aktuelle Umfrage der Strategiebratung Oliver Wyman aber zeigt, dass diese Aspekte zunehmend unwichtiger werden: Mehr als 60 Prozent der über 2.000 Befragten deutschen Bankkunden gaben an, heute bereits zwei oder mehr Bankbeziehungen zu haben. Nur knapp 40 Prozent sind ausschließlich Kunde einer Bank. Mit einer Durchdringungsrate von nahezu 100 Prozent ist das Girokonto das Ankerprodukt der Hausbankbeziehung. Zweitbanken hingegen werden überproportional für Kreditprodukte wie Baufinanzierung oder Verbraucherdarlehen verwendet. Das Besondere hierbei: Beide Produkte zusammen generieren im Schnitt etwa 30 Prozent der Erträge, was für die Hausbank besonders besorgniserregend ist.

„Über die verschiedenen Bankentypen im deutschen Markt hinweg wird ein klares Muster erkennbar“, sagt Tobias Dziggel, Partner bei Oliver Wyman. „Die traditionellen Geldhäuser wie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbank sowie andere Filialbanken nehmen immer noch die Vormachtstellung in der Rolle als Hausbank ein.“ Über drei Viertel aller privaten Bankkunden tätigen ihre Finanzgeschäfte mit einem dieser Institute. Im Falle der Zweitbank ändert sich das Bild: Etwa 50 Prozent der Kunden nutzen Direktbanken als weitere Bankverbindung, wie die Umfrage zeigt.

Kundenloyalität im Wandel

In der Vergangenheit war die Verbindung zur Hausbank von Kontinuität geprägt. Durchschnittlich nur circa ein bis zwei Prozent aller Kunden haben in den vergangenen dreißig Jahren innerhalb eines Jahres ihre Bankbeziehung gewechselt; in den letzten fünf Jahren ist der Wert auf rund drei Prozent angestiegen. „Über alle Altersgruppen hinweg haben die Kunden über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte eine dauerhafte Beziehung zur ihrer Hausbank etabliert. Folglich haben Kreditinstitute lange Zeit nur mäßig in Kundenbindungsprogramme investiert und den Fokus auf die Neukunden­akquise gelegt anstatt Bestandskunden aktiv zu managen“, sagt Dziggel.

Althergebrachte Verhaltensmuster in der Beziehung von Kunde zur Bank gelten zunehmends nicht mehr. Eine steigende Anzahl von Kunden wendet sich von ihrer Hausbank ab oder beabsichtigt einen Wechsel in der nahen Zukunft. Diese Tendenz ist insbesondere bei jungen Bankkunden, im Alter zwischen 18 und 29, stark ausgeprägt. Gut ein Fünftel aller Kunden in den Altersgruppen von 18 bis 29 und 30 bis 49 Jahren haben sich in den vergangenen fünf Jahren gegen ihre Hausbank und für eine neue Bank entschieden. Durch den demographischen Wandel ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird. „Die Gründe für einen Wechsel sind vielfältig“, sagt Benjamin Schulz, Principal bei Oliver Wyman. „Unzufriedenheit über die Konditionen ist allerdings ein wesentlicher Beweggrund.“

Durchschnittliche_Dauer_Bankkunde_Hausbank

Banking ist im digitalen Zeitalter angekommen
Digitale Angebote von Banken werden immer stärker als Standard denn als Unterscheidungs­merkmal angesehen. Traditionelle Kreditinstitute sind mittlerweile erfolgreich digital aufgestellt. Darüber hinaus sind Kunden zunehmend in der Lage, sich über Konditionen – zum Beispiel über Preisvergleichs-portale – zu informieren und selbst zu entscheiden, wofür sie bezahlen wollen. „Während in der Vergangenheit der Kontowechsel aufgrund diverser Hürden wie etwa dem bürokratischen Aufwand beim Kontoumzug oder komplizierter Kontoeröffnungsprozesse nur selten vollzogen wurde, ist das Wechselrisiko aktuell deutlich höher und wird weiter ansteigen“, ist sich Schulz sicher. Ausgehend vom demographischen Wandel ist zu erwarten, dass rund 25 Prozent aller Kunden ihre Hausbank innerhalb der nächsten fünf Jahre wechseln könnten. „Für traditionelle Bankhäuser stellt dies in den kommenden fünf Jahren ein kumuliertes Ertragsrisiko von knapp 8 bis 10 Milliarden Euro dar“, warnt Dziggel.

Um auch in der Zukunft die primäre und lukrative Beziehung mit Kunden zu sichern, raten die Berater Kreditinstituten Maßnahmen entlang von drei Dimensionen zu entwickeln:

  • Überarbeitung der Produktkonditionen und Gebühren – Einführung flexibler, differenzierter und wettbewerbsfähiger Preismodelle
  • Institutionalisierung eines systematischen Bestandskunden- und Retention Managements
  • Aufbau eines „Financial Homes“, um alle finanziellen Belange des Kundens zu aggregieren und gesamtheitlich zu verwalten.

Umfrage: Banken verweigern digitale Geschäftsmodelle

Zwei Drittel der Banken in Deutschland wollen an ihrem bestehenden Geschäftsmodell festhalten. Nur 44 Prozent sehen sich veranlasst, ihre digitalen Angebote auszubauen. An der Veränderungsfähigkeit allgemein wollen gerade mal 38 Prozent arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Procedera Consult. Befragt wurden 104 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche.

Den größten Handlungsdruck verspüren die Institute derzeit bei den Kosten. 63 Prozent der Banken wollen weniger Geld für den Betrieb ausgeben. Mit 69 Prozent liegt der Anteil der Institute, die an den internen Abläufen etwas verändern wollen, zwar noch höher. Doch häufig zielen die geplanten Anpassungen bei Prozessen darauf ab, günstiger und schneller zu arbeiten oder den gesetzlichen Auflagen besser zu genügen. 27 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte bestätigen, dass viele Entscheider die Bankenaufsicht BaFin inzwischen als wichtigsten Kunden betrachten. „Der Endkunde genießt immer noch zu selten die höchste Aufmerksamkeit von Bankvorständen“, warnt Gisbert Beckmann, Geschäftsführer von Procedera Consult.

Besonders kritisch ist es um die Digitalisierung im Bankwesen bestellt. Aktuell arbeitet nur knapp ein Drittel der Institute an neuen Digitalangeboten. 16 Prozent, kaum jedes sechste Institut, ist mit der dringend notwendigen Modernisierung des Kernbanksystems beschäftigt. Gleichzeitig gilt die veraltete Technik als einer der größten Bremsklötze für die Digitalisierung. Probleme bereiten vor allem Prozesse, die sich wegen Beeinträchtigungen im Herzen der IT nicht durchgängig digital abbilden lassen. „Viele Institute arbeiten mit Behelfslösungen, die um das Kernbanksystem herum aufgebaut werden, um eine digitale Fassade aufzubauen“, so Beckmann. „Die Echtzeitbuchung auf dem Smartphone entpuppt sich häufig als ein in Umsystemen zwischengespeicherter Auftrag, der erst über Nacht in die zentrale Datenbank geschrieben wird.“

Beckmann vertritt die Ansicht, dass Banken jetzt damit beginnen sollten, intensiv Personal in IT und Betriebsorganisation aufzubauen. Künftig müssten die Institute vor allem bei den Prozessen und der Zusammenarbeit mit digitalen Partnern aufschließen. „Verglichen mit den USA stehen die deutschen Banken heute schlechter da als noch vor der Finanzkrise“, resümiert Beckmann. „Die Branche hierzulande war zu zaghaft und hat sich zu wenig selbst hinterfragt.“

Über die Studie

Im April und Mai 2018 hat Procedera Consult 104 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche online zum Stand des Prozessmanagements befragt. Die Befragten stammen aus Instituten mit einer Bilanzsumme von mehr als 10 Mrd. Euro (8 Prozent), 5 bis 10 Mrd. Euro (33 Prozent), 1 bis 5 Mrd. Euro (50 Prozent) sowie weniger als 1 Mrd. Euro (9 Prozent). Sie arbeiten in den Abteilungen IT, Kundenservice, Kreditwesen, Vertrieb, Controlling, Interne Revision und Bankorganisation.

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑