Die deutsche Crowdfunding-Plattform „Bergfürst“ arbeitet  zukünftig mit dem strategischen Partner „Berliner Volksbank“ zusammen. Viele fragen sich: machen da nicht Konkurrenten gemeinsame Sache?

Wer mich und meinen Blog bzw. meine Arbeit kennt bzw. verfolgt hat, weiß, dass die Frage rein rhetorisch ist.

Gerade Genossenschaftsbanken haben die Struktur von Crowdfunding bzw. Crowdinvesting in ihren Grundprinzipien (leider haben einige diese Grundprinzipien in den letzten 20 Jahren verlassen – das ist aber eine andere Geschichte).

Schön finde ich, dass das Thema meiner Master Thesis, die im vorigen Jahr auch als Buch „Crowdinvesting und Peer-to-Peer-Lending – Genossenschaftsbanking 2.0 als neue Strategie der Unternehmensfinanzierung“ herausgekommen ist, nun in Deutschland umgesetzt wird.

Buch-Frontseite

In Beiträgen der „Berliner Morgenpost“ und auf „Gründerszene.de“ wird dieses Thema angesprochen. Augenscheinlich ist, dass Deutschland  im Crowdfunding bzw. Crowdinvesting die Vorreiterschaft im deutschsprachigen Raum hat.

Dies zeigt sich in mehrerlei Hinsicht:

  • die deutsche „BaFin“ (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“ nahm sich bereits in der Vergangenheit dieses Themas an –  siehe z.B. den Artikel „Crowdfunding im Licht des Aufsichtsrechts„. Die österreichische „FMA“ (Finanzmarktaufsicht) erkärte einer österreichischen Crowdinvesting-Plattform auf Anfrage, welche rechtlichen Anforderungen eine Crowdinvesting-Plattform Genüge tun müsse, dass sie keine Auskunfts- sondern eine Prüfungsbehörde sei und aus diesem Grund keine Auskunft gebe (Aussage eines Gründers einer österreichischen Crowdinvesting-Plattform auf der Konferenz „The Future of Crowdfunding“ im April 2013)
  • anders wird in Deutschland gearbeitet: die BaFin bescheinigte die Finanzierungsform des partiarischen Nachrangdarlehens. Die Crowdinvesting-Plattform „Seedmatch“ finanziert in dieser Art in der ersten Finanzierungsrunde bis zu EUR 250.000,-, bei Anschlussfinanzierungen bis zu 1 Mio. €, ohne Prospektpflicht.
  • in deutschen Genossenschaftsbanken (als Beispiel seien die Berliner Volksbank und die Volksbank Bühl genannt) sind Crowdfunding und Crowdinvesting längst ein Thema. Von österreichischen Genossenschaftsbanken hört man daher überhaupt nichts – diskutiert man darüber mit Vorständen von Genossenschaftsbanken, tuen diese das Thema mit Argumenten wie „das setzt sich nicht durch“, „unsere Kunden brauchen das nicht“ oder „wir müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen abwarten“ ab. Wobei letzteres Argument noch am ehesten verständlich erscheint…

Mein Betreuer bei der Master Thesis meinte zum Abschluss: „Das Thema ist zu diesem Zeitpunkt überaus innovativ – du wirst aber damit in Österreich keinen Erfolg haben. Suche deine Ansprechpartner in Deutschland oder in anderen Ländern, die diesem Thema offener gegenüberstehen.“

Er hatte recht – zumindest was die Praxis angeht. In der Theorie (gemeint ist Thema, Innovationsgehalt, etc.) wurde ich (und somit auch er) in den letzten Tagen eines besseren belehrt: beim Master-Thesen Wettbewerb 2013 „Top-Master Österreich 2013“  von „Making Science News“ und dem „Standard“ konnte ich mit meiner Master Thesis den 5. Platz erringen. Dies ist eine Ehre für mich, da in der Jury so bekannte Persönlichkeiten wie Dr. Erhard Busek, Mag. Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell (ehemaliges EZB-Ratsmitglied),  Dr. Alexandra Föderl-Schmid (Chefredateurin vom „Standard“) oder Dr. Helga Nowotny, PH.D. (Präsidentin des europäischen Forschungsrates) dabei waren.

In der Praxis ist Crowdinvesting in Österreich (fast) nicht vorhanden, sieht man von einigen ambitionierten Vordenkern wie jenen von Conda ab. Zumindest einen kleinen Schritt hat der Gesetzgeber kurz vor der Sommerpause (und dem danach folgenden Wahlkampfgemetzel, das keine normale Regierungsarbeit zulässt) getan: er hat die Höchstgrenze, ab der eine Prospektpflicht besteht, von EUR 100.000,- auf EUR 250.000,- angehoben.

Somit lebt die Hoffnung, auch in Österreich – nach dem Vorbild Deutschlands bzw. Bergfürst und Berliner Volksbank – ein Crowdinvesting-Modell auf die Beine stellen zu können, an dem sich auch Genossenschaftsbanken beteiligen.