„The Future of Crowdfunding“ 17.4.2013 in Berlin – der Tag im Zeitraffer

Spät aber doch möchte ich meine Eindrücke zu „The Future of Crowdfunding“ am 17. April in Berlin  zusammenfassen. Dankenswerterweise hat mich der Buch-Herausgeber meiner Master Thesis Karsten Wenzlaff von IKOSOM (Institut für Kommunikation in sozialen Medien) zu dieser Konferenz eingeladen. Und ich war wirklich froh, dabeizusein – die Vielfalt kreativer Beteiligter aus vielen europäischen Ländern, die sich mit Crowdfunding und Crowdinvesting in den verschiedensten Facetten beschäftigen, hat mich beeindruckt.

Die Moderation der verschiedenen Blöcke erfolgte großteils von Karsten Wenzlaff sowie seinem Partner Jörg Eisfeld-Reschke bzw. einem weiteren (österreichischen) Teammitglied Wolfgang Gumpelmaier (GumpelMEDIA).

Gesetzliche Regulierungen

Der Morgen und somit der erste Teil des Tages begann mit Informationen über den Stand von Crowdfunding bzw. Crowdinvesting in Italien, Frankreich und Deutschland. Epirot Ludvik Nejak (Ludvikplus) eröffnete mit einem Einblick in die „Crowdsourcing Week“ (von Warschau über Amsterdam und Berlin nach Singapur). Oliver Gajda (European Crowdfunding Network), Daniela Castrataro (Twintangibles), Guido Sandler (Bergfürst), Tobias Riethmüller (GSK-Rechtsanwaltskanzlei) und Fabien Risterucci (FPF) präsentierten danach den Stand der gesetzlichen Regulierungen in diesen Ländern.

Crowdinvesting
Im zweiten Block des Vormittages ging es dann weg von den gesetzlichen Fallstricken  zum interessantesten Teil des Tages: Crowdinvesting in verschiedenen Variationen, geprägt von differenzierten Zugängen der einzelnen Plattformen, die durch ihre Vertreter präsentiert wurden.
Der Däne Michael Eis (Boomerang) präsentierte Strategien zur Wachstumsfinanzierung. Christin Friedrich präsentierte die von Innovestment praktizierte Möglichkeit von Auktionsverfahren für Unternehmensbeteiligungen.
Ein weiteres Highlight war die Präsentation von Tamo Zwinge von Companisto. Es schien fast so, als hätte Companisto die rechtlichen Beschränkungen (Anmerkung: Finanzierungsgrenze € 100.000,- bezüglich der Prospektpflicht) ad acta gelegt: die Plattform finanzierte bei der Kontextsuchmaschine TAME.it € 250.000,-. Zwinge geht sogar davon aus, dass in nächster Zeit Finanzierungen von € 350.000,- bis € 500.000,- möglich sind. Zwinge sieht im Crowdinvesting vor allem auch ein leistungsfähiges Marketinginstrument – während des Fundings präsentiert sich die Plattform somit nicht nur Investoren, sondern auch potenziellen Kunden.
Raphael Otten (United Equity) erläuterte in einer launigen Präsentation, dass Crowdinvesting nicht nur etwas für Start-Ups mit innovativen, sexy Produkten ist. Zumindest kann man den Minibagger, den United Equity für einen Mittelunternehmer finanzierte, nicht unbedingt „sexy“ nennen (außer man ist Baggerfahrer). Otten bemühte auch gleich das Klischee, das derzeit gerade in Österreich in der Diskussion um das Bankgeheimnis die Runde geht: seine Oma und ihr Sparvermögen. Regionale Investments in KMU mit stabilen Ertragsaussichten könnten als „Einstiegsdroge“ für eigentlich risikoaverse Kapitalanleger fungieren.
Dana Schramm (Seedmatch) präsentierte (gemeinsam mit dem Gründer Adam Rice) das Funding von eTukTuk, wobei die lange Fundingzeit als positiver Faktor (ähnlich wie Tamo Zwinge) bewertet wurde.
Gijsbert Koren (Douw & Koren) betonte, dass Crowdfunding eigentlich Communityfunding da ein sehr großer Teil der Investoren „Family, Friends and Fools“ sind. Douw & Koren zeigen auch, wie eine internationale Kampagne funktioniert.
Die Zukunft von Crowdfunding
Zu Beginn des Nachmittages präsentierten Dennis Brüntje und Anja Solf (TU Illmenau) die Triebfeder von Crowdfunding unter dem Begriff „Co-Creation“. Crowdfunding ist mehr als nur das Geld einzusammeln, die Investoren sind nicht nur reine Geldgeber sondern wollen auch „geisig“ mitpartizipieren.
Crowdfunding in Infrastruktur, Energie und Emerging Markets
 Steffen Boller  von „LeihDeinerStadtGeld“ bzw. „LeihDeinerUmweltGeld“ zeigte wie öffentliche Investitionen bzw. Umweltinvestitionen von der Crowd übernommen werden können (sehr interessant, da Bund, Ländern und Gemeinden ja nach und nach das Geld für Investitionen ausgeht).
Ronald Kleverlaan stößt ins selbe Horn, wobei man bei seiner Präsentation sieht, dass die Holländer hier anscheinend die Nase vorne haben:
Peer Piske (Crowdener.gy) brachte das Thema der Finanzierung von Solar-Energie-Projekten in die Tagesordnung, was aus Sicht von „PeakOil“ und energiewirtschaftlich notwendigen Veränderungen jedenfalls Zukunft hat.
Michael Gebert setzte fort mit einem ausdrucksreichen und leidenschaftlichen Vortrag über die Forschungsergebnisse bezüglich der Risiken der Mikrofinanzwelt.
Ebenfalls in diesem Block kam der Pole Karol Krol zu Wort, der über Crowdfunding in Emerging Markets (eben z.B. in seinem Heimatland Polen) referierte. Besonders hob er dabei hervor, dass solche Summen, über die in den westlichen europäischen Ländern debattiert werden (Anmerkung: € 100.000,- und darüber) in den Emerging Markets Utopiebeträge sind – kurz gesagt: hier kann mit weitaus weniger an finanziellem Aufwand in Start-Ups investiert werden.
Crowdfunding und die Kreativindustrie
Der Schwede Max Valentin (Crowdculture) eröffnete den für mich als Banker nicht so geläufigen Block, der sich mit Finanzierungen für die Kreativindustrie beschäftigte.
Ihm folgten Michael Bogatzki (Sellaband),  David Heberling (Pling) und Konrad Lauten (Inkubato), wobei für mich Heberling den interessantesten Vortrag dieses Blockes brachte (ungeachtet dessen, dass Pling kurz danach den Verkauf der Plattform an Clemens Tönnies publizierte): seit wenigen Tagen hat das Sparkassen-Finanzportal eine Ideenfabrik.
Abschließend brachte der Österreicher Reinhard Willfort (Gründer der österreichischen Plattform 1000×1000.at) die Zusammenhänge von Crowdfunding und Open Innovation in einer interessanten Präsentation näher:
Epirot Ludvik Nejak beschloss den Präsentationsmarathon mit seiner Präsentation der „Crowdsourcing Revolution„.
Gratulation an Karsten Wenzlaff, Jörg Eisfeld-Reschke und Wolfgang Gumpelmaier für die Organisation und Moderation dieses Tages – ich freue mich schon auf „The Future of Crowdfunding 2.0“!
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2 Kommentare zu „„The Future of Crowdfunding“ 17.4.2013 in Berlin – der Tag im Zeitraffer

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